Gut gerüstet ins Schneevergnügen : Mit Sicherheit am Hang

Die Zahl der schweren Skiunfälle ist rückläufig. Doch das Unfallrisiko auf den Pisten bleibt hoch.

von
Gute-Laune-Katalysatoren auf der Hütte. Doch Alkohol bei der Abfahrt vom Berg kann den Versicherungsschutz kosten.
Gute-Laune-Katalysatoren auf der Hütte. Doch Alkohol bei der Abfahrt vom Berg kann den Versicherungsschutz kosten.Foto: picture-alliance

Das ist Après-Ski brutal: Statt Obstler hat der Mann einen Plastikschlauch im Mund. Er tanzt nicht auf der Hüttentheke, sondern liegt auf einem Röntgentisch. Der 42-Jährige hat sich nicht ins Koma gesoffen, sondern gefahren. Bei einem Frontalzusammenstoß auf der Piste vor drei Stunden. Gut, dass der Rettungshubschrauber schnell an der Unglücksstelle war. Im Schockraum des Krankenhauses Innsbruck diagnostizieren die Ärzte eine Schädelbasisfraktur. Er wird sie überleben, dank seines Helmes.

Überhaupt muss man feststellen: Der Trend geht – anders als bei Radlern – sehr stark zum Helm. „Oben ohne“ geht für die meisten Skliäufer nichts mehr, das gilt für Kinder erst recht. Helme können Kopfverletzungen zu 85 Prozent verhindern. Oder wenigstens deutlich mindern. Denn ein ungebremster Zusammenprall mit 50 Stundenkilometern auf der Piste ist wie ein Sturz aus zehn Metern Höhe – da schützt selbst der beste Helm nur noch begrenzt. Eine Helmpflicht gibt es in den Alpen bislang nur für Kinder – bis 14 Jahre in Italien, bis zum 15. Lebensjahr in einigen österreichischen Bundesländern.

Wichtig bei der Anprobe des Skihelms: Er sollte so eng sitzen, dass er bei geöffnetem Verschluss und geschütteltem Kopf weder verrutscht noch drückt. Gute, sichere Schädelpanzer erkennt man vor allem an der Norm EN 1077. Bei dem vom Verkäufer meist gleich mitangepriesenen Rückenprotektor, einem Kunststoffharnisch zum Unterziehen, sollten vor allem Snowboarder und Tourenskigeher zugreifen, weil sie öfter mal auf den Rücken fallen können und sich vor Verletzungen vor allem an der Wirbelsäule schützen sollten.

Auch wenn über alpinen Pisten vermeintlich immer öfter Rettungshubschrauber kreisen – die Zahl der schweren Skiunfälle ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen: Nur noch 13 von 1000 Alpinsportlern verletzen sich – im Jahre 1980 waren es doppelt so viele. Das geht aus den Statistiken der Stiftung Sicherheit im Skisport hervor. Sie wertet im Auftrag des Deutschen Skiverbandes und der Arag-Versicherung Skiunfälle von 320 000 Versicherten in einer Datenbank aus – das einzig gesicherte Zahlenmaterial zu diesem Thema.

Demnach brechen, verdrehen oder stauchen sich fast die Hälfte aller auf den Pisten Verunglückten die Beine oder Arme. Nur elf Prozent verletzen sich am Kopf. Und überhaupt nur fünf Prozent aller in der Datenbank erfassten Schäden sind Folgen von Zusammenstößen. Diese jedoch sind oft heftiger als früher – aus mehreren Gründen: Vor allem sind die meisten Pisten längst zu glatten, schnellen „Autobahnen“ geworden, und die wendigen Carving-Ski verführen viele Wintersportler zu rasanter, leichtsinniger Fahrweise.

Hinzu kommt, dass dank schneller Lifte die Warte- und damit Erholungszeit an den Stationen wesentlich kürzer geworden ist, dadurch mehr Pistenkilometer pro Tag gefressen werden. So geraten vor allem Gelegenheitsskiläufer früher an ihre Grenzen, sie fahren unkonzentrierter und das Unfallrisiko nimmt zu. Darum sollte niemand auf den mittäglichen Stopp beim Gulaschsuppen-Drive-in verzichten. Besser noch: mehrere kleine Pausen am Tag einlegen, auch wenn gerade bestes Skiwetter ist und dazu verlockt, den teuren Skipass mit möglichst vielen Liftfahrten so weit wie möglich auszunutzen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben