Reise : Hadrians Leid

Rom hat kein Geld für die „Villa Adriana“

Bröckelt bedrohlich: Villa Adriana. Foto: dpa
Bröckelt bedrohlich: Villa Adriana. Foto: dpaFoto: picture alliance / United Archiv

Einst stolze Sommerresidenz und Alterssitz des römischen Imperators Hadrian (76-138), heute Unesco-Weltkulturerbe – und Bruchbude: Der „Villa Adriana“ in Tivoli geht es schlecht. Die nordöstlich von Rom gelegene einstige Kaiserresidenz ist an vielen Stellen einsturzgefährdet. Kritiker beklagen die „Nichtachtung“ seitens der Regierung.

Ministerpräsident Silvio Berlusconi war schon 2010 heftig kritisiert worden wegen einschneidender Kürzungen des Kulturhaushalts. Das zuständige Ministerium beschwichtigte nun, die Villa Adriana werde bekommen, was sie braucht. Doch bisher sind kaum Gelder angekommen.

Selbst in der Urlaubssaison wirkt die „Villa Adriana“ nahezu ausgestorben. Nur eine Japanerin sitzt zwischen den Trümmern und starrt einer Schildkröte hinterher, die durch den antiken Wassergraben paddelt. Einige Meter weiter führt eine Steintreppe durch einen Torbogen hindurch. Daneben ist ein gelbes Schild montiert: „Pericolo di crollo“ – Einsturzgefahr“. Solche Tafeln finden sich an allen Ecken und Enden der einstigen Imperatoren-Residenz. Die Überreste des zwischen 117 und 138 nach Christus erbauten Palastes sind gefährlich.

Tatsächlich könnte die Villa bei Tivoli – seit 1999 Unesco-Weltkulturerbe – wie viele andere historische Schätze Italiens eine gründliche Restaurierung gut gebrauchen. Nach letzten Schätzungen der Betreiber würde sie mindestens 2,5 Millionen Euro kosten. Das Kultusministerium stellte bisher 370 000 Euro zur Verfügung. „Lächerlich. Damit kann man gerade mal das Gelände putzen“, kommentierte ein Mitglied des regionalen Kulturausschusses.

Doch Kultusminister Giancarlo Galan weist die Vorwürfe weit von sich. „Für die Villa Adriana sind vier Millionen Euro reserviert“, kommentierte Galan verärgert kritische Medienberichte. Das fehlende Geld soll laut seinem Ministerium aus einem 20 Millionen Euro schweren Fördertopf der Stadt Rom bezogen werden. Doch dort weiß man von nichts. „Die Villa fällt nicht in unseren Zuständigkeitsbereich“, erklärt ein Beamter des römischen Kulturassessorats sichtlich verdutzt der Nachrichtenagentur dpa. Die Restaurierung sei eine Angelegenheit der Staats- und nicht der Stadtkassen. Klar ist, dass dem hoch verschuldeten Italien Gelder fehlen – und das nicht nur in Tivoli.

40 Prozent weniger Besucher musste die Kaiservilla vor den Toren Roms 2010 registrieren, wie der „Corriere della Sera“ kürzlich anklagend berichtete. Und der Tourismus dürfte weiter leiden, wenn nicht bald etwas geschieht. Tsp

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