Reise : Im Moskau-Design

Der Dreimaster „Running on Waves“ verspricht luxuriöses Segelvergnügen

Oliver Schmidt
„Running on Waves“, 18 Kabinen auf 64 Metern Länge Foto: Oliver Schmidt
„Running on Waves“, 18 Kabinen auf 64 Metern Länge Foto: Oliver Schmidt

Kapitän Yuriy Slastenin hat Stress. Den macht ihm nicht der Name seines neuen Schiffes „Running on Waves“. Vielmehr sind es die Vorbereitungen für die erste große Reise des Neubaus. Es ist schon genug Zeit verstrichen: vier Jahre Bauzeit auf der Danziger Werft; dann noch ein Kurswechsel bezüglich des Endprodukts – dass aus dem Dreimaster ein Luxusschiff würde, das sich mit „Sea Cloud“ oder „Royal Clipper“ messen will, war ursprünglich nicht geplant.

Es ist ein ungewöhnlicher Schiffstyp entstanden, der irgendwo zwischen den Großseglern und den Charterjachten eine neue touristische Klasse begründet. 45 Betten in 18 Kabinen verbergen sich im schnittigen, dunkelblauen Rumpf mit den großen Bullaugen. „Wir rechnen damit, dass wir im Normalfall 36 Gäste an Bord haben“, sagt Jörg Knippenberg von SailingAway24 in Bremerhaven, der die Vermarktung übernommen hat. Charter sei vereinzelt mal möglich, doch in der Regel sollen die Reisen auf dem 64 Meter langen Schiff Kabine für Kabine verkauft werden, an internationale Gäste.

Auch in Russland. Denn dort sitzt der Schiffseigner, der sich entschlossen hat, die „Running on Waves“ in den Markt zu bringen. Das macht neugierig auf den vermeintlichen Moskau-Milliardär. Jörg Knippenberg wehrt ab: „Kein Abramowitsch-Verschnitt!“ Vielmehr müsse der Anbieter von Disko-, Licht- und Bühnentechnik mit dem Schiff auch Geld verdienen. Ob er die Trägheit kalkuliert hat, mit welcher der deutsche Markt neue Schiffe akzeptiert, weiß man nicht. Jedenfalls, so ist zu hören, denke er schon über ein zweites Schiff nach, schließlich hat sich ein Ein-Schiff-Betrieb, für den man theoretisch anderthalb Mannschaften braucht, noch nie gelohnt.

Das alles interessiert erste Neugierige an Bord zunächst einmal gar nicht. Sie entdecken die Kojen unter Deck, ein skurriler Mix aus Fliesen und Holzbelag am Boden, schiffige Messinglampen und weißer Plastikfön, in den Luxuskabinen eine Seemannstruhe als Dekoration zwischen Doppelbett und Sitzgarnitur aus hellem Leder. Die schnörkellosen Nasszellen verfügen über Dusche und WC. In jeder Kabine gibt’s einen Flatscreen, der außer TV-Programmen via Satellit auch die Bilder von Über- und Unterwasserkameras am Schiff zeigt. Klimaanlage, Schlingerstabilisatoren und eine Meerwasserentsalzungsanlage sind außerdem vorhanden.

Auf der „Running on Waves“ liefern Schiff und Route, Segelerlebnis und Meer das Entertainment. Die Funktion des Salons mit seiner kleinen Bar, in dem alle Passagiere Platz haben, wechselt zwischen Restaurant und Lounge. Das Leben aber findet draußen statt. Die chromblitzende Reling auf jachttypischem Holzboden gibt ihr ein modernes Ambiente. Auf dem Achterdeck stehen Stühle und Bänke, doch wer mag, kann auch auf der kleinen Plattform am Bugspriet über das Wasser „fliegen“. Käpt’n Yuriy hat einen ultramodernen Fahrstand vor sich, der eher an einen ICE erinnert als an ein Schiff. Unter Anleitung dürfen Passagiere das Schiff selbst steuern oder zum Ausguck in den Mast aufentern. Die meisten aber bleiben bei den Vergnügungen, die für sie vorgesehen sind: Kajaks für Sportliche sind ebenso an Bord wie ein Motorschlauchboot. Am Heck hilft eine hydraulische Rampe beim Badevergnügen und Schnorcheln, Wasser- und Jetskifahren.

Ein erster Testlauf im Mittelmeer hat nun einige Kinderkrankheiten aufgedeckt, die vorgesehenen Wintertörns zwischen den Kanaren entfallen. Geplant ist jetzt, ab Frühjahr von Zypern aus in der Ägäis zu kreuzen. Oliver Schmidt

Auskunft: SailingAway24, Bremerhaven, Telefon: 04 71 / 926 50 92, Internet: www.sailingaway24.de

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