Reise : Im Netz: Wo Toiletten gratis sind

Christian Schreiber

Freiburg – Berlin, knapp 600 Kilometer mit dem Auto, ein Mal Tanken. Aber Andreas Zoerp muss noch vier Mal anhalten. Zum Austreten. „Ich habe eine verdammt schwache Blase", sagt der Freiburger über sich selbst. Zwar gibt es entlang deutscher Autobahnen „alle Nase lang eine Toilette“, wie er festgestellt hat. Aber mit der Qualität und dem „Serviceentgelt“ ist er überhaupt nicht einverstanden. Deshalb hat er das Internetportal www.gratispinkeln.de gegründet, in dem mittlerweile mehr als 500 Bedürfnisanstalten aufgezählt sind, die keinen Obolus fürs kleine oder große Geschäft verlangen.

„Gratis heißt, dass keine Verpflichtung besteht, einen festen Betrag zu bezahlen", erläutert der Student. Eine Toilettenfrau geht bei ihm nicht leer aus – wenn Service und Sauberkeit stimmen. Den Nutzern seiner Seite empfiehlt er „einen geringen Beitrag“, den jeder für sich selbst definieren müsse. Er lege zwischen 30 und 50 Cent auf die meist weißen Tellerchen der Saubermänner am Toilettenausgang.

Zoerp hat mit vielen kostenpflichtigen Klos schlechte Erfahrungen gemacht. Mit den Bedingungen am Freiburger Hauptbahnhof zum Beispiel ist er überhaupt nicht einverstanden: „1,50 Euro für einmal pinkeln“, sagt er empört. „Ich weiß nicht, was der private Betreiber mit dem Geld macht, aber in die Sauberkeit wird es jedenfalls nicht investiert.“ Die Freiburger Bahnhofs-Toilette funktioniert wie viele andere auch: An einem Drehkreuz am Eingang muss der Kunde die Münzen einwerfen, sonst erhält er keinen Zutritt. Ob das Klo sein Geld wert ist, kann man vorher nicht abschätzen. Hängt noch Toilettenpapier in der Kabine? Ist noch Seife im Spender? Muss man sich die Nase zuhalten? Das stinkt Zoerp am meisten. Eine der wichtigsten Erkenntnisse seiner privaten Forschung über Bedürfnisanstalten lautet: „Ein kostenpflichtiges Klo ist noch lange nicht besser oder sauberer als eine Gratistoilette. Ich frage mich, mit welcher Begründung manche Betreiber soviel verlangen.“

Die Strecke Freiburg - Berlin war die erste, die Zoerp analysiert und ins Netz gestellt hat. Mittlerweile beteiligen sich Hunderte Nutzer an seinem Service und tragen entsprechende Gratisangebote ein. Und das Service-Portal erfährt bereits eine Ausdehnung auf Österreich und die Schweiz. Christian Schreiber

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