Reise : Immer ein Gewinn

Gewiss, Urlaubswünsche für das kommende Jahr haben wir (fast) alle wieder. Wer hätte die nicht? Das hohe Gut einer längeren Ferienreise lassen sich die Deutschen nicht nehmen, belegen die jüngsten Umfragen. Da mag das Auto noch so klappern und das Sofa schon arg zerschlissen sein – die Urlaubsreise ist gesetzt. Alles andere muss warten, wenn das Geld nicht für die Befriedigung mehrerer großer Wünsche reicht, sagen die Menschen, wenn sie von Konsumforschern befragt werden.

Oft genug verschwimmen allerdings Wunsch und Wirklichkeit, auch und nicht zuletzt bei Umfragen zum persönlichen Konsumverhalten, und zumal bei jenen Erhebungen, die von Reiseveranstaltern in Auftrag gegeben sind (oder an die Branche verkauft werden sollen). Da werden die Fragen schon richtig gestellt, damit auch ein sonniges Ergebnis am Ende herausschaut. Schließlich kann kein Reisemanager mit einem teuer erkauften Meinungsbild hausieren gehen, das miese Stimmung macht nach dem Motto: „Die Deutschen halten ihr Geld zusammen, sind sehr zögerlich bei ihrer Reiseentscheidung und setzen 2012 eher auf Balkonien statt auf Bali.“ So ein Ergebnis wäre möglicherweise realistisch, jedoch schlecht fürs Geschäft.

Reisewünsche wird nahezu jeder haben und es auch so zu Protokoll geben. Ob und in welcher Form die Absichten immer zu verwirklichen sind, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Machen wir uns nichts vor: Auch in der Ferienwelt gibt es Gleiche und weniger Gleiche. Wer sich bisher im Urlaub ein Fünf-Sterne-Hotel gegönnt hat und sich um den dauerhaften Fluss seines Einkommens keine Sorgen machen muss, wird auch im kommenden Jahr draufsatteln – da wird das Fünf-Sterne-Plus-Niveau kurzerhand um ein paar Extras angereichert, und sei es durch die Fluganreise in der Business Class. Das möcht’ dann schon sein. „Luxus läuft“, versichern die Reiseveranstalter durchaus glaubwürdig. Nicht ohne Grund werden die Angebote in der obersten Preiskategorie ständig ausgebaut. Die Nachfrage ist offenbar da und die befriedigt man gern. Schließlich ist es bei Reisen ähnlich wie bei Autos: je höher der Preis, desto größer der Gewinn. Und das ist in jüngster Zeit die Marschrichtung der großen Veranstalter: Marge statt Masse. Bei einem Pauschalpaket für 20 000 Euro (elf Tage zu zweit auf den Malediven) bleibt eben mehr hängen als bei zehn 399–Euro-Reisen nach Bulgarien.

Wer allerdings bisher noch in der Mittelklasse – womöglich mit der ganzen Familie – ein Pauschalpaket am Mittelmeerstrand gebucht hat, wird anfangen zu rechnen, wenn der Reisepreis erhöht worden ist, die Miete mal wieder steigt und vom Arbeitgeber erneut eine Nullrunde bei Lohn oder Gehalt verordnet wird. Es kommt schließlich nicht von ungefähr, dass die Kataloge für Deutschlandurlaub und Autoreisen zu Zielen im nahen Ausland immer dicker werden.

Doch es stimmt optimistisch, dass den meisten Menschen die Lust aufs Reisen offenbar nicht vergangen ist. Urlaub bleibt ein Muss, auch wenn er mal eine Nummer kleiner ausfällt. Denn eins darf man nicht vergessen: Tapetenwechsel ist stets ein Gewinn, auch wenn das Ziel nah und günstig ist. Es kommt halt immer drauf an, was man draus macht.

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