Indonesien : Grün ist Weisheit

Bali ist die Insel der tausend Tempel. Touristen staunen über hinduistische Rituale – und genießen Wellness.

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Reisfelder, wohin das Auge blickt. Auf Bali dreht sich fast alles um dieses Getreide. Das Grundnahrungsmittel kommt morgens, mittags und abends auf den Tisch. Foto: Ludovic Maisant/laif
Reisfelder, wohin das Auge blickt. Auf Bali dreht sich fast alles um dieses Getreide. Das Grundnahrungsmittel kommt morgens,...Foto: Ludovic Maisant/hemis.fr/laif

Werden es elf? Ich zähle mit. So gut es noch geht in meinem Zustand, ich verfalle nämlich gleich in einen Dämmerzustand. Schade, es sind nur neun meckernde Rufe, die der Gecko – irgendwo versteckt im Raum – ausstößt, als Kontrast zu den sphärischen Entspannungsklängen, die aus den Lautsprechern perlen und dem Wellenrauschen des Indischen Ozeans, der nur wenige Meter entfernt an die Steilküste anbrandet. Schreien Geckos elf Mal, dann gilt das auf Bali als gutes Zeichen. Aber das wäre ja auch zu schön und zu perfekt gewesen. Glücklich liege ich auf dem Bauch im Spa- Bereich des luxuriösen Hotels Alila Villas Uluwatu, ganz im Süden Balis auf der Halbinsel Bukit. Ich habe mir von meiner Spa-Therapeutin Miss Satya eine Behandlung nach balinesischer Art gewünscht. Und die ist so sanft und wohltuend wie bisher alles, was ich auf Bali gesehen und erlebt habe. So zart, wie die duftenden Blüten des Frangipani-Baums, ein fünfblättriges Meisterwerk der Natur, schlicht und schön. So friedvoll, wie die frühen Abendstunden, wenn sich gegen halb sechs die Sonne verabschiedet, kleine Jungs zwischen den Hausdächern Drachen steigen lassen und sich Dorfbewohner auf dem Hof zum Gebet gemeinsam niederlassen. So ruhevoll, wie der Priester, der den Betenden im Tempel zum Abschluss der Zeremonie eine Schale mit in heiligem Wasser aufgeweichtem Reis hinhält. Ein paar Körner klebt man sich auf die Stirn und aufs Schlüsselbein.

Überhaupt der Reis. Um ihn dreht sich alles auf Bali, der einzigen Insel Indonesiens, die hinduistisch geprägt ist. Die Terrassen schmiegen sich sattgrün an die Insel. Überall lugt ein Schrein hervor. Täglich werden dort die Götter und Dämonen mit kleinen Opfergaben aus Reis und bunten Blüten besänftigt, dargeboten in Körbchen aus geflochtenen Palmblättern. Auf sie stößt man überall, man muss aufpassen, dass man sie mit seinem forschen westlichen Schritt nicht wegschleudert, denn die Balinesen legen sie auch vor ihre Häuser auf die Straße, gleich neben die Planen, auf denen sie die noch ungedroschenen Reiskörner in der Sonne trocknen.

„Es gibt drei Sorten von Reis“, hatte Ketut gesagt. Daran erinnere ich mich jetzt auf meiner Massageliege. Ketut ist Reiseführer und machte in der Mittagshitze Pause an einem Kiosk direkt neben einem Reisfeld in der Nähe des Dorfes Kelating, an der Südwestküste Balis. Seine Kunden, ein australisches Hochzeitspärchen, hatte er in einem nahe gelegenen Hotel zum Essen abgesetzt. Ihm blieb ein bisschen freie Zeit und Lust zu plaudern. „Weiß, rot und braun“, antwortete ich, das hatte ich bereits gelernt. Ketut lachte: „Nein, Morgenreis, Mittagsreis, Abendreis.“ Er lachte noch lauter. Balinesen essen den ganzen Tag Reis, meist mit Gemüse. „Bis zur Ernte dauert es noch einen Monat“, erklärte Ketut und deutete auf die starken Büschel in der feuchten Erde. Erst dann entwickle sich aus der Mitte heraus eine Rispe, an der die einzelnen Reiskörner hängen. „Sie werden mit der Hand geerntet.“

Was für ein kostbares Lebensmittel, dachte ich mir. Die Felder reichten bis ans Meer heran. Sattgrün traf auf glitzerndes Schwarz des feinen Lavasandes. Im nahe gelegenen Dorf boten Landwirte auf großen Plakaten diese Flächen zum Verkauf an. „Land direkt am Strand“, stand darauf geschrieben. Und so wird wohl eines Tages ein Investor den Grund und Boden kaufen. Ketut runzelte die Stirn. „Hoffentlich werden es nicht zu viele Hotels“, sagte er, „die Landschaft ist doch so schön. Und wir brauchen den Reis.“ Aber das Leben als Reisbauer ist mühsam, das weiß er auch, und die jungen Balinesen wollen lieber im Tourismus arbeiten. So wie er selbst.

Oder Miss Satya, die nun begonnen hat, mit ihren Daumen die Meridiane an meinen Waden auf und ab zu fahren, dort, wo nach fernöstlicher Auffassung die Energie durch den Körper fließt. Es kribbelt angenehm. „Alles okay?“, fragt die junge Frau. Oh ja.

Wellness ist das große Ding im balinesischen Tourismus. Ein Trend, der auf harmonische Art und Weise zur Spiritualität der Insel zu passen scheint. Für die Einheimischen gehören Körper und Geist zusammen.

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