Irland : Der Diener im Moor

Die Kirche von Knock lag abseits im Nordwesten Irlands. Monsignore wollte einen Flugplatz. Absurd? Heute boomt er.

Rainer Schauer
Irland
Dünn besiedelt: Das County Mayo, hier am Achill Sound, lockt Menschen mit Sinn für grandiose Natur und Stille. -Foto: Krinitz/laif

Weil Monsignore James Horan seinerzeit gröblichst geschmäht und für verrückt erklärt wurde und sich heute kein Mensch mehr an den Pfarrer von Knock im irischen Nordwesten erinnert, wollen wir an dieser Stelle eines visionären Luftfahrtpioniers und touristisch äußerst weitblickenden Kirchenmannes gedenken. Dass nämlich vor gut 20 Jahren inmitten einer öden Moorlandschaft nördlich des 500-Seelen-Kaffs Knock im County Mayo ein Großflughafen seinen Betrieb aufnahm, das war ausschließlich das Verdienst von James Horan.

Der sinnloseste Flughafen der Welt, witzelte damals die „New York Times“. Nein, konterte die irische Regierung, der Flughafen von Wagadugu im schwarzafrikanischen Burkina Faso sei noch sinnloser. Zu diesem Zeitpunkt allerdings hatten die Dubliner Politiker schon reichlich Irische Pfund (nach heutiger Rechnung 15 Millionen Euro) und eine 2300 Meter lange Start- und Landebahn buchstäblich in den Torf gesetzt; EU-Gelder wahrscheinlich, gedacht für den Ausbau strukturschwacher Gebiete.

Es dürfte mehr als nur eine Legende sein, dass Monsignore in Dublin die Politiker so mit Guinness und Whiskey traktiert hatte, dass die Herren von der Regierung schließlich ihr benebeltes Okay zum Ausbau eines Flughafens stammelten, eines Flughafens, den niemand zu brauchen schien.

Monsignore wusste es aber besser, denn er hatte eine Vision: Zehntausende von Pilgertouristen sah der Pfarrer in Knock einschweben, denn die der heiligen Maria geweihte Wallfahrtskirche in Knock war und ist den Iren im In- und Ausland immer eine Pilgerreise wert – ob sie nun aus dem heimischen Cork oder aus den fernen, von Iren bevorzugten Auswanderungsländern USA, Australien oder Neuseeland anreisten. Und umgekehrt sah James Horan Zehntausende von frommen Iren in die Lüfte steigen, um im Charterjet nach Fatima oder Lourdes zu düsen.

Monsignore ahnte, was die anderen nicht zu begreifen schienen: Maria ist Big Business, das durch einen Flughafen noch größer und einträglicher zu werden versprach. „Gott ist mein Kopilot“, pflegte James Horan allen Anfechtungen zum Trotz zu sagen. Und siehe da, die überirdische Cockpitbesatzung ließ ihren getreuen Diener im Moor nicht im Stich, auch als – Ironie des Schicksals – Monsignore 1986 auf einer Wallfahrt nach Lourdes starb. Das Herz war’s.

Heute, rund 20 Jahre später, ist Knock International Airport, der einmal „Horan Airport“ hieß, der am schnellsten wachsende Flughafen Irlands, der bei den Passagierzahlen in den vergangenen Jahren durchschnittlich um 25 Prozent zulegte. Gegenwärtig fliegen die Gesellschaften Aer Arann, My Travel Lite, Ryanair, bmibaby und Easyjet Knock im Linienflug an, ausschließlich Verbindungen mit Dublin und Flughäfen in Großbritannien.

Im Charterverkehr wird dagegen von Knock aus die ganze Mittelmeerwelt des Pauschalurlaubs angesteuert, dazu die Kanaren, Südafrika und Prag, auch wenn sich beispielsweise die Flüge nach Südafrika auf einen Abflugtermin beschränken. Rom als Pilgerziel wiederum wird im Marienmonat Mai jeden Montag angeflogen. Charterketten im klassischen Sinn gibt es nach Mallorca, Lanzarote, Faro oder Malaga.

Jetzt allerdings meldet Knock Airport Revolutionäres: „Ireland West Airport Knock is delighted to announce … the introduction of Ireland’s first scheduled transatlantic services with a low cost carrier. Flyglobespan will operate three services a week from Ireland West Airport Knock, to JFK Airport New York and two services weekly to Boston Logan International Airport.“ Billigflüge nach New York und Boston also werden angekündigt, eine Strecke ab 157 Euro plus Steuern.

Man sieht, der Kirchenmann im Moor, der Gott als seinen Kopiloten betrachtete, macht sich bis heute um die irische Fremdenverkehrs- und Luftfahrtindustrie höchst verdient. Das rechtfertigt immer wieder ein ehrenhaftes Gedenken an James Horan – gewidmet aber allen fantastischen und liebenswerten Spinnern, die im Glauben an sich selbst andere besiegen.

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