Jugendherbergen : Einmal in der Woche ist Veggie-Day

Jugendherbergen werden immer schicker. Manche konkurrieren schon mit Wellnesshotels und bieten Arrangements. Ein Besuch in Neuharlingersiel.

Wolfgang Stelljes
Wie sich die Zeiten ändern. Latte Macchiato statt Hagebuttentee in der Herberge.
Wie sich die Zeiten ändern. Latte Macchiato statt Hagebuttentee in der Herberge.Foto: Ingo Wagner, dpa

Um die wichtigsten Fragen gleich zu beantworten: Nein, die Betten waren nicht selbst zu beziehen. Nein, Tischdienst gab es nicht. Ja, doch, es ist eine Jugendherberge. Man braucht auch einen Jugendherbergsausweis, aber den gibt’s auch an Ort und Stelle. Das Essen? Lecker. Und die Zimmer? Könnten in einem Mittelkasse-Hotel kaum besser sein. Auf Wunsch gibt es sogar Etagenbetten, aber nur in einigen wenigen Familienzimmern.

Im Frühjahr 2013 hat das Deutsche Jugendherbergswerk das DJH Resort Neuharlingersiel in einer ehemaligen Reha-Klinik eröffnet. Die „erste Club-Jugendherberge der Welt“ besteht aus einem guten Dutzend Bauten und liegt inmitten sattgrüner Wiesen, rund einen Kilometer hinter dem Nordseedeich. Zum Hafen und zum Strand von Neuharlingersiel sind es zu Fuß etwa 20 Minuten.

Morgens, Punkt 10 Uhr, begrüßt Hausleiter Stefan Hilgers die Neuankömmlinge im „Teehuus Kluntje“, einem Glaspavillon. Hilgers stellt einige der 47 Mitarbeiter vor und präsentiert Fakten: 32 000 Quadratmeter Fläche hat die Anlage, insgesamt 398 Betten verteilen sich auf 78 Apartments, sechs Bungalows und das „Friesenhaus“, ein Hotel im Hotel mit 14 Doppelzimmern.

Wir haben an einem Wochenende außerhalb der Hauptsaison gebucht. Es geht ruhig zu, nur knapp jedes vierte Bett ist belegt. Schüler und Tagungsgäste sind nicht da, aber sonst sind alle anvisierten Zielgruppen vertreten, vor allem Familien und Sportler. Mit 70 Gästen ist der Düsseldorfer Hockey Club angereist. Die Rheinländer sind eher zufällig auf die Jugendherberge gestoßen, haben angesichts des Preises erst „geschluckt“, sich dann aber doch für Neuharlingersiel entschieden. Eine Mutter sorgt sich, dass ihre Kinder, wenn es demnächst mit der Schulklasse in eine andere Jugendherberge geht, zu hohe Erwartungen haben könnten.

Auch Gerd und Brigitte Mohr, beide Mitte 70, sind angenehm überrascht. Seit rund 35 Jahren besitzt das Ehepaar aus Lüneburg den Jugendherbergsausweis. Meist buchen sie ein Vier-Bett-Zimmer gegen Aufschlag, hier haben sie ein Doppelzimmer mit eigenem Bad und Balkon. Morgens drehen sie ihre Runde auf dem schmalen Pfad über die Wiesen, „nur zum Wasser ist es ein bisschen weit“, sagt Gerd Mohr. Ansonsten nutzt das Paar die Gymnastikangebote und genießt das gute Essen. Die beiden planen bereits den nächsten Aufenthalt – mit dem Enkel.

Das altersdifferenzierte Programm gehört zu den Punkten, die die Gäste bei Befragungen lobend hervorheben, sagt Nicole Kubisz, die für das Markting zuständig ist. Angebote wie das Bemalen von T-Shirts, eine Familien-Rallye oder Stranderkundung mögen vielleicht nicht weiter ungewöhnlich sein für eine Jugendherberge. Aber ein eigenes Kinderhaus mit lässigem sogenannten Snoozle-Raum und bunter Kreativ-Ecke? Oder ein „Wattlabor“, in dem Kinder ihre Strandfunde unter die Lupe nehmen können, betreut von einer Fachkraft?

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