Kalkuliertes Abenteuer : Wie und wo man Weltreisen pauschal buchen kann

Was für Phileas Fogg in Jules Vernes Roman "Reise um die Erde in 80 Tagen“ fast unmöglich schien, ist heute selbst für durchschnittliche Reisende kein Problem. Zwei Möglichkeiten gibt es, die Welt in einer begrenzten Anzahl von Tagen zu umrunden.

Nina C. Zimmermann

Entweder organisiert der Reiselustige wie Fogg alles auf eigene Faust – oder er bucht ein Komplettpaket bei einem Reiseveranstalter. Welche Form des Reisens für wen infrage kommt, hängt letztlich von der Persönlichkeit ab, sagt Norbert Lüdtke, Vorsitzender der Deutschen Zentrale für Globetrotter (dzg) im saarländischen Quierscheid. Wenn das Sicherheitsbedürfnis stärker sei als die Neugierde, werde die Wahl wohl eher auf ein Pauschalangebot fallen. Eine solche Reise sei ganz eindeutig etwas für Menschen, die umsorgt sein und vorab einen genauen Plan haben wollen, sagt auch Andrea Probst von Meier’s Weltreisen in Frankfurt am Main. Das sei die „Rundum-sorglos-Variante“.

Meier’s längere „Weltenbummler“- Route führt in 34 Tagen unter anderem in den Norden von Chile, auf die Osterinsel, nach Französisch-Polynesien und Australien. Der Münchner Veranstalter Gastager bietet mehrmals im Jahr eine „Weltreise für Einsteiger“ über die Südhalbkugel an. In der Gruppe geht es binnen 14 Tagen von München über Los Angeles, Tahiti, Auckland (Neuseeland) sowie Hongkong zurück nach Deutschland.

Die Kosten für solche Reisen liegen, je nach Dauer, im oberen vier- bis mittleren fünfstelligen Bereich. Enthalten sind Übernachtungen, Mahlzeiten, Reiseleiter und etliches an Organisation, das für Individualreisende manchmal sehr zeitaufwendig sein kann, zum Beispiel die Visabeschaffung. Trotzdem seien diese Reisen keine Entspannungstouren, sagt Andrea Probst.

Das gilt laut Norbert Lüdtke erst recht für diejenigen, die individuell unterwegs sind. Ein Globetrotter müsse sich darauf einstellen, keine Erholung zu finden, weil er sich um alles selbst kümmern muss. „Reisen ist ein Schritt aus der Bequemlichkeitszone hinaus“, betont Lüdtke. Im Prinzip könne aber jeder, der sich fit genug fühle, einen solchen Trip in Angriff nehmen.

Zwar kann die selbst organisierte Reise günstiger sein als die komplett betreute, dennoch ist auch sie kein billiges Vergnügen, warnt Lüdtke. „Das Teuerste am Reisen ist das Unterwegssein.“ Gerade bei einer Weltreise fließe viel Geld in die Verkehrsmittel. Am günstigsten ist es bei einer Weltreise, lange Strecken mit dem Flugzeug zurückzulegen. Airline-Verbünde wie Star Alliance oder One World bieten „Round-the-world-tickets“ an.

„Einzelreisen in zehn Städte auf allen Kontinenten wären deutlich teurer und zeitintensiver“, sagt Boris Ogursky, Sprecher des deutschen Star-Alliance-Mitglieds Lufthansa. Die Anzahl der Zwischenstopps beim „Round-the-world-ticket“ sei gleichgültig. Lediglich Start- und Zielland müssen laut Ogursky identisch sein. Auch die Himmelsrichtung der Reise müsse immer dieselbe sein, weil Pazifik und Atlantik nur jeweils einmal überquert werden dürften und Rückflüge nicht erlaubt seien.

Bei der Star Alliance hängen die Kosten von der Flugklasse und der zurückgelegten Entfernung ab. One World bietet dagegen Tickets an, bei denen die Klasse und die Anzahl der besuchten Kontinente den Preis bestimmen oder die Distanz und der Reisezeitraum. Für beide Allianzen gilt jedoch: Der exakte Preis lässt sich wegen weltweit unterschiedlicher Steuern und Gebühren erst ermitteln, wenn alle Zwischenstopps feststehen. Daher kommen noch einmal 300 bis 600 Euro zu den Ticketgrundpreisen hinzu, die – je nach Klasse – zwischen rund 2000 und 14 000 Euro liegen.

Die Streckennetze sind sehr ausgedehnt und die möglichen Ziele daher schier unendlich. „Die klassische Route ist Europa–Südostasien–Australien– USA–Europa“, sagt Philip Lewin von One World. „Wenn man sich aber schon einmal auf Weltreise begibt, dann empfehle ich, ausgefallene Ziele anzusteuern, zum Beispiel in Indien, Südafrika oder Südamerika.“ Der wichtigste Tipp des Globetrotter-Vorsitzenden Norbert Lüdtke lautet schlicht: „Weniger ist mehr.“ Die minimale Reisezeit für die Weltumrundung bei beiden Flugallianzen beträgt zehn Tage, die maximale ein Jahr. Norbert Lüdtke vertritt die Ansicht, selbst per Flugzeug lasse sich die Welt nicht in weniger als sechs Wochen halbwegs sinnvoll bereisen.

Entsprechend wenig kann der dzg-Vorsitzende daher auch Weltreise-Paketen abgewinnen. Das Spannende am Reisen sei schließlich, nicht zu wissen, was auf einen zukomme. Er rät daher, bei einer Weltumrundung vor allem nicht wie Phileas Fogg im Kampf gegen die Uhr zu reisen.

Literatur: Deutsche Zentrale für Globetrotter (Herausgeber): Das Selbstreise-Handbuch. Band 1: Zur Reisevorbereitung. Peter Meyer Verlag, 16,95 Euro

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