Klimawandel : Luftspenden

Der Kohlendioxid-Ausstoß durch den weltweiten Luftverkehr ist immens. Wie Passagiere beim Klimaschutz helfen können.

Christian Röwekamp
Luftverkehr
Schön anzuschauen, aber schlecht fürs Klima. -Foto: ddp

Kohlekraftwerke, Autoverkehr, schlecht gedämmte Hausdächer – die Liste der Faktoren für den Klimawandel ist lang. Immer wieder wird in dem Zusammenhang auch der Tourismus genannt, speziell der Flugverkehr pustet Kohlendioxid (CO2) in die Luft. Von 2012 an werden Fluggesellschaften deshalb Emissionsrechte kaufen müssen, wenn sie in Europa starten und landen wollen; Flugtickets dürften dadurch teurer werden. Doch auch heute schon kann jeder Fluggast etwas unternehmen, um den durch ihn verursachten CO2-Ausstoß auszugleichen.

Immer mehr Airlines und Reiseveranstalter ermuntern ihre Gäste zum Beispiel zu Zahlungen an Organisationen wie Atmosfair und Myclimate. Wie viel die Klimaspende dort kostet, ist dabei sehr unterschiedlich. Die Flugstrecke von Hamburg nach Rom und zurück ist 2656 Kilometer lang. So verrät es der Myclimate-Rechner auf der Website der Lufthansa. Dort kann der Fluggast eine Spende für ein Klimaschutzprojekt in Indien leisten: Sieben Euro sind es als Ausgleich für die ihm zugeordneten 350 Kilogramm CO2-Emission. Die Spende ist damit eher preiswert, denn auf ihrer eigenen Website Myclimate.org kommt die Organisation bei Hamburg–Rom und zurück auf 539 Kilogramm Schadstoffe und umgerechnet 13,25 Euro Kompensation. Noch mehr Klimaschaden berechnet „Atmosfair.de“: 720 Kilogramm Emissionen und 16 Euro Spende. Das Geld fließt in Solarküchen, Windkraftanlagen, die Biogasgewinnung aus Abwässern oder andere Energiesparprojekte.

Doch angesichts der drei verschiedenen Summen ist der Passagier verwirrt: Wie viel Schadstoffe stößt der Flieger für ihn tatsächlich aus? Ganz genau lässt sich das in der Tat nicht sagen. Kathrin Dellantonio von Myclimate in Zürich hat aber zumindest eine Erklärung für die Differenz: „Bei unseren Rechnern auf den Seiten von Lufthansa und Swiss geht es rein um CO2. Andere Einflüsse fließen dort in die Berechnung nicht ein.“

Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer von Atmosfair in Berlin, sorgt sich um die Ozonbildung in großer Höhe und den Abbau von Methan im Grenzbereich von Troposphäre und Stratosphäre in zehn bis zwölf Kilometer Höhe. „Dort ist die Atmosphäre besonders sensibel.“ Für Atmosfair sei es unerlässlich, diese Faktoren in die Berechnung einer Kompensation aufzunehmen. Ausnahmen für Partner-Websites – etwa denen von Fluggesellschaften – seien deshalb nicht möglich.

Wer sich die Partner von Atmosfair und Myclimate anschaut, merkt rasch: Fluggesellschaften arbeiten eher mit Myclimate zusammen; neben Lufthansa und Swiss sind 2007 dort auch Tuifly und Virgin Atlantic gelandet. Bei Atmosfair stehen eher Reiseveranstalter auf der Liste. Seit langem Partner sind die im „Forum anders reisen“ versammelten etwa 140 Anbieter, doch auch Biblische Reisen, DAV Summit Club und Lastminute.com sind dabei.

Brockhagen wundert der Unterschied nicht: „Wer klimafreundlichen Tourismus will, muss sein Verhalten ändern: weniger fliegen und länger am Urlaubsort bleiben. Das ist unsere Philosophie, und viele Reiseveranstalter haben damit auch kein Problem. Airlines würden allerdings an Geschäft zu verlieren.“ Von einem veränderten Verhalten ist jedoch bisher nicht viel zu merken. „Viele Menschen haben ein schlechtes Gewissen, aber das Reiseverhalten ändert sich wenig“, beobachtet Peter-Mario Kubsch, der Chef des Veranstalters Studiosus, der auch seine Gäste zu Spenden an Myclimate animiert.

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