Reise : Knüller mit Aussicht

Zeit bis Fasching: Rabatte bei Neckermann.

Dorothee Baer-Bogenschütz

„Zeitreisen müsste man anbieten können“, träumt Neckermann-Manager Stephan Braun, „das wäre ein Riesengeschäft.“ Tatsächlich fragt man sich, ob der Reiseriese Neckermann überhaupt noch auf seine Kosten kommt: jetzt, wo den Urlaubern bald das ganz Jahr über Frühbucherpreise offeriert werden. Die traditionelle Einteilung der Angebote in Sommer- und Wintersaison verblasst allmählich zugunsten von aktueller Preisgestaltung. Die Sommerprogramme 2008, unlängst in der Türkei vorgestellt, werden neuerdings in Etappen zur Buchung frei gegeben. Neckermann-Kunden dürfen sich mit der Reiseentscheidung ruhig bis Fasching Zeit lassen und dennoch das Gefühl hegen, einen Schnitt zu machen. Die Frühbucherfristen für den Sommer 2008 wurden ausgedehnt, und die Strategien drumherum sollen ausgefeilt werden.

Anreizen sind kaum Grenzen gesetzt. Wer etwa bis Weihnachten eine Fernreise bucht, bekommt 50 Euro Weihnachtsgeld, bei Buchung eines Trips auf der Nah- und Mittelstrecke gibt es – bis 15. Januar – 30 Euro. Bis zum Valentinstag gelten 50 Euro „Turboabschlag“ sowie „Super-Frühbucherpreise“. 50 000 Kindern garantiert das Family-Super-Sparpaket unter bestimmten Bedingungen gar Nulltarif. Bis 14. Februar ist der erste Preisteil der Sommerkataloge gültig.

Durchschnittlich werden Ferienreisen im Sommer 2008 um zwei Prozent günstiger, in Südafrika um fünf, in Ägypten sogar um bis zu neun Prozent. Teurer geraten Teneriffa, Madeira oder die Algarve.

Neu und „im Markt einzigartig“ ist der „Flexi-Rabatt“ (50 Euro) für Menschen, die sich nicht auf ein bestimmtes Abflugdatum versteifen, sondern einen Spielraum von einigen Tagen um den Wunschtermin akzeptieren.

Der Individualist darf sich derweil auf einen immer dichteren Bausteinedschungel freuen: Alle 936 Hotels in elf Ländern sind einzeln buchbar.

Immer abenteuerlicher die Pauschalleistungen bestimmter Ferienunterkünfte: All inclusive spottet seiner selbst. Was bitte ist AIP, UAI, UAIP und AIL, dürfte sich der Ferienmensch fragen, zu Deutsch All-inclusive-Plus, Ultra-all-inclusive, Ultra-all-inclusive-Plus sowie All-inclusive-light?

Kabarett? „Hotels“, nickt Flugchef Michael Tenzer, „kommen auf die differenziertesten Ideen, das hat mit Überversorgung zu tun, einige Gäste aber möchten schlicht nicht massiert werden.“ Andere zahlen gern zu für Zimmer mit Aussicht, „Komfort-Plus-Zimmer“ genannt.

Eine Geldzurück-Garantie greift in Österreich und der Schweiz. Neckermann verspricht den „garantiert besten Preis“ und will die Differenz erstatten, sollte es vor Ort wider Erwarten doch günstiger sein. Für Italien heißt das Bonbon Strandliege. Sie ist meistens im Reisepreis inkludiert.

Die Reisetrends? Gefragt wie nie sind Musical-, Städte- und Rundreisen sowie das Bausteinebuchen: der „Megatrend“. Neckermann baut das Modulsystem für den individuellen Wunschurlaub entsprechend weiter aus. Doch ob die maßgeschneiderten Ferien unterm Strich Preisschlachten gewinnen? Gesprochen wird jedenfalls fast nur noch über Sparvorteile. Dorothee Baer-Bogenschütz

0 Kommentare

Neuester Kommentar