KOMMENTAR : KOMMENTAR

Mexiko teilt das Glück und das Leid einer im Prinzip blühenden Tourismuswirtschaft mit einer ganzen Reihe von anderen Ländern. Ägypten und Griechenland etwa, um nur die aktuellsten Problemkandidaten zu nennen, die ganz wesentlich auf die Urlaubsindustrie bauen (müssen). Geht es gut, geht es sehr, sehr gut. Kommt etwas dazwischen – Naturkatastrophen, politische Unruhen, Terror gar –, dann wird es richtig, richtig schlecht. Dann bricht ein wichtiger Wirtschaftszweig weg, die Situation für Staat und Gesellschaft wird noch prekärer als sie ohnehin schon durch die genannten Beeinträchtigungen ist.

Nun glaubte man in Mexiko, für die nächsten Jahrzehnte seinen Teil an schlimmen Dingen gehabt zu haben. Nach Stürmen, Vogelgrippe und Finanzkrise sollte es wieder aufwärts gehen. Doch böse Schlagzeilen und hässliche Bilder vom sogenannten Drogenkrieg – das zieht Touristen nicht unbedingt an. Und wenn sie noch so gern kämen. Das Land hat schließlich unendlich viel zu bieten. Und keineswegs nur fabelhafte Strände.

Nun war die Ministerin in Berlin auf der Leitmesse für den Tourismus weltweit. Und sie war offenbar sehr bemüht, für ihr Land zu werben. Und doch ist sie derselben Versuchung erlegen wie vor ihr viele andere in gleicher Funktion: Sie färbt etwas schön. Das ist a) nicht nett und b) nicht besonders schlau. Denn Leser/Zuhörer = Urlauber merken das – und sind verstimmt. Sie mag ja durchaus recht haben, dass durch die Mordwellen unter den sich befehdenden Gangstern noch kein Tourist zu Schaden gekommen ist. Allein, wer mag schon unbeschwerten Urlaub in einem Land verbringen, wo man nicht sicher sein kann, nicht doch unerwartet zwischen die Fronten zu geraten? Statt mit Fantasiezahlen für die Zukunft zu jonglieren, wären Ministerin und Regierung gut beraten, das Problem Armut in einem in vielfacher Art reichen Land anzugehen. Dem Tourismus und damit den Menschen wäre dadurch eher geholfen als durch das Bauen von Luftschlössern. gws

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