Reise : Kredit à la Carte

Extraausgaben an Bord können ins Geld gehen

Franz Neumeier
What a peeling! Kosmetik an Bord, oft mit sattem Meeraufschlag. Foto: Uwe Bahn
What a peeling! Kosmetik an Bord, oft mit sattem Meeraufschlag. Foto: Uwe Bahn

Ärger auf einer Kreuzfahrt? Ja, auch das gibt es. Stichwort Nebenkosten. Sie verstimmen Passagiere immer dann, wenn sie nicht damit gerechnet haben. Dabei gilt für Kreuzfahrten wie für Pauschalreisen: Im Preis enthalten sind nur die Leistungen, die in der Ausschreibung aufgeführt sind. Einige Kreuzfahrtgesellschaften bieten inzwischen All-inclusive-Pakete an, aber selbst dann sollte man mit Extraausgaben an Bord rechnen – beispielsweise für Ausflüge, Cocktails, Spa- Behandlungen und Souvenirs ohnehin.

Um sich Frust und Ärger zu ersparen, sollte der Kunde daher die Reisebedingungen genau lesen und entsprechende Nebenkosten im Budget einplanen – wie bei jedem anderen Urlaub auch.

Trinkgelder

Bekanntlich tun sich insbesondere deutsche Gäste mit Trinkgeldern etwas schwer. Doch sie sollten – je nach Schiff und Kabinenkategorie – mit insgesamt drei bis zehn Euro pro Tag und Person rechnen. Bei Aida, Tui Cruises und Hurtigruten ist das Trinkgeld bereits im Kreuzfahrtpreis enthalten. Auch bei Carnival sind Trinkgelder (zehn Dollar pro Person/Tag) bei Buchung über Reisebüros in Deutschland, Österreich und der Schweiz für die dienstbaren Geister an Bord inklusive. Etwas extra zu geben, ist allerdings nicht verboten ... Bei allen anderen Kreuzfahrtgesellschaften erwarten Kabinen- und das Servicepersonal im Restaurant Trinkgelder, für deren Höhe es meist „Empfehlungen“ gibt. Einige Gesellschaften sind auch dazu übergegangen, das Trinkgeld automatisch und fast unvermeidbar aufs Bordkonto zu buchen. Nicht jedermanns Sache, weil es auch schon durchgängig schlechten Service an Bord gegeben haben soll, den der Gast ungern belohnen möchte.

Getränke

Auf den wenigsten Kreuzfahrtschiffen sind Getränke inklusive. Auch hier gilt: Reisebedingungen lesen. Fast immer sind Eistee, (Leitungs-)Wasser und Lemonade (die amerikanische Variante) inklusive. Manche Kreuzfahrtgesellschaften bieten beim Abendessen auch einen Hauswein gratis. Bier, Wein, Softdrinks sowie Cocktails sind fast immer extra zu zahlen. Je nach Trinkgewohnheit kann sich der Endbetrag läppern. Manchmal lohnt ein genauerer Blick auf die oft angebotenen Getränke-Pauschalpakete – doch nicht immer fährt man damit günstiger.

Kreditkarten-Gebühren

Die vom Betrag her kleinsten, dafür aber auch am besten versteckten Nebenkosten sind Kreditkartengebühren. Wer sein Bordkonto mit Kreditkarte bezahlt, sollte vorher prüfen, in welchem Land die Kreuzfahrtgesellschaft die Kreditkarte belastet. Bei US-Kreuzfahrtgesellschaften, aber beispielsweise auch bei MSC findet die Abrechnung außerhalb des Euro-Raumes statt – etwa in den USA oder der Schweiz (MSC). Auch wenn die Abrechnung in Euro erfolgt, berechnen die meisten Kreditkartengesellschaften in diesen Fällen eine Gebühr von ein bis zwei Prozent für den Auslandseinsatz der Karte.

Internet, Telefon

Internetzugang, Telefonieren und Simsen an Bord laufen über Satelliten-Verbindungen und sind entsprechend teuer. Hier gilt es also, sich Zurückhaltung aufzuerlegen, um nicht in die Kostenfalle zu tappen.

Souvenirs

Machen wir uns nichts vor: Ganz ohne Erinnerungsstück kommt fast niemand aus dem Urlaub zurück – nicht einmal die größten Souvenir-Muffel. Ein T-Shirt mit dem Logo der Reederei für satte 30 Dollar oder ein simpler Schlüsselanhänger in Schiffsform für acht Euro. Spaß-Shoppen an Bord kann teuer werden.

Landausflüge

Landausflüge sind das Salz in jeder Kreuzfahrtsuppe – und oft das größte Ärgernis. Meist zu Recht. Nachlässig organisiert, mit übellaunigen örtlichen Reiseleitern, die diese Bezeichnung nicht verdienen, sind Ausflüge selten den stolzen Preis wert, den man berappen muss. Doch je nach Fahrgebiet kann man diesem Problem ausweichen, allerdings ist etwas Flexibilität gefragt. Vor der Reise wäre zu klären: Wo genau legt das Schiff an? Und sind Attraktionen von dort aus zu Fuß erreichbar? In Rhodos etwa sind es nur ein paar Schritte vom Pier in die Altstadt. Einen Ausflug muss hier also wirklich nur buchen, wer Wert auf die Erläuterungen eines Reiseführers legt, über dessen Güte jedoch schwerlich im Vorfeld etwas zu erfahren ist. Oft sind Ausflugsziele vom Hafen aus auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder einem Taxi kostengünstig erreichbar. Von Civitavecchia und Piräus fahren beispielsweise Züge nach Rom beziehungsweise Athen.

Spa-Behandlungen

Hier kann der Kreuzfahrer noch mal so richtig Geld loswerden. Bei Behandlungen in den Spa- und Wellness-Einrichtungen an Bord muss nahezu jede Leistung extra bezahlt werden. Zu Preisen, die man an Land eher nicht gewohnt ist. Für eine Massage werden da schon mal 150 Dollar pro Stunde berechnet, um nur ein Beispiel zu nennen.Die Spas werden in der Regel nicht von den Reedereien selbst betrieben, die deshalb auch gern darauf hinweisen, dass sie auf die Preisgestaltung keinen Einfluss haben. Was man bezweifeln darf.

All inclusive?

Ein wirkliches „Alles inklusive“ gibt es auf keinem uns bekannten Kreuzfahrtschiff. Einige Anbieter haben aber ein Konzept, das zumindest die wesentlichen Nebenkosten abdeckt: Getränke und Trinkgelder. Auf wenigen ausgewählten Kreuzfahrten sind auch einige Landausflüge inklusive. Faustregel: Je höher der Tagespreis des Schiffes, desto mehr Leistungen sind enthalten. Auf Aida- Schiffen beispielsweise sind Tischgetränke und Trinkgelder inklusive, bei Tui Cruises die meisten Getränke auch außerhalb der Mahlzeiten sowie alle Trinkgelder. Franz Neumeier

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