Kreuzfahrt : Vielleicht noch zum Pilateskurs

Elf Tage fährt die „Silver Whisper“ von Singapur aus durchs südchinesische Meer. Viel Zeit, um zu meditieren, zu plaudern und zu shoppen

Dagmar Zurek
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Attraktionen. Hat das elegante Schiff erst mal angelegt, gibt es viel zu sehen. In Kuala Lumpur etwa die Petronas Towers, in...

Zum pikant gegarten Gemüse singt Pavarotti. Milva röhrt zu den Gnocchi und als Mary und Richard bei ihrem Tiramisu angelangt singt, tönt es „O sole mio“ aus den Lautsprechern. So weit ist es ein ganz normaler Abend im „La Terrazza“, einem Ristorante, wie man es überall auf der Welt findet. Nur dass Mary und Richard soeben ihr opulentes italienisches Menu an Bord eines Schiffes verspeisen. Es ist die „Silver Whisper“ – und gerade verlässt sie den Hafen von Singapur.

Das Schiff befindet sich auf einer Rundreise, die das Paar über Malaysia, Thailand und Burma zurück nach Singapur führen wird. Viele der 388 Passagiere, meist Amerikaner, aber auch Deutsche und Italiener, haben im Laufe des ersten Seetages schon untereinander Bekanntschaft geschlossen.

Mary und ihr Mann, die in Arizona irgendwo „zwischen Bergen und Wüste“ leben, treffen schon morgens um acht im Waschsalon auf die Lehrerin Vivianne aus New York. Sie alle freuen sich darüber, an diesem frühen Morgen bereits so fit zu sein – wegen des Jetlags. Hinter dem Ehepaar aus Arizona liegen 17 Stunden Flugzeit. Soeben haben beide von der Veranda ihrer Suite aus die Sonne aufgehen sehen. Ein glutroter Ball ist aus dem Meer gestiegen.

Langsam gleitet die „Silver Whisper“ an der Küste Malaysias durch die Morgensonne. Alle Passagiere genießen diesen Ausblick – und kommen zur Ruhe.

Der erste Seetag ist immer etwas Besonderes, bestätigt auch Vivianne. Wie die meisten Gäste an Bord will sie nachher in Port Kelang an Land gehen. Mehrere Busse warten, um die Passagiere aufzunehmen. Kuala Lumpur mit seinen Schnäppchen ist für die meisten das Ziel.

Zahnarztfrau Susanne aus Süddeutschland war schon öfter hier in den Hotspots Südostasiens. Zum Einkaufen. Orchard Road in Singapur, die Nachtmärkte in Kuala Lumpur, sie kennt sich gut aus. Ostern verbringt sie mit ihrem Mann immer in Südostasien. Reist an mit kleinem Gepäck, fliegt zurück nach Deutschland mit vielen Koffern. Den Kindern, die womöglich ein bisschen Angst haben ums Erbe, pflegt man derweil zu erzählen, es gehe mal wieder zum Bergsteigen nach Südtirol ...

Auch Luise, die Kosmetikfabrikantin aus dem Badischen, hat den Ausflug nach Kuala Lumpur gebucht. Sie will dort das höchste Gebäude der Welt besichtigen. Shoppen, sagt die betagte Dame, könne sie schließlich bequemer an Bord. Zum Beispiel die exklusiven Pullis von Loro Piana, das Kult-Cashmere-Label aus Italien. Und die Preise seien vor allem für deutsche Passagiere sehr verlockend – so, wie der Dollar gerade stehe!

Darüber freut sich auch das Zahnarztehepaar, das den ersten Abend ganz stilvoll im exklusiven Bordrestaurant „Le Champagne“ verbrachte. Das ist so exklusiv, dass man dort pro Menü 150 Dollar extra berappen muss.

Die Anzahl der Tische ist limitiert. Was es noch begehrter macht, zu jenen zu gehören, die das von einem 1998er Pommery und berühmten Burgunderweinen begleitete Dinner am Ende des ersten Seetages verzehren dürfen. Karin allerdings, eine Apothekerin aus Freiburg, meint süffisant, na ja, nur um ein Bressehuhn oder ein Dessert namens „Belle Dijonnaire“ – Pfirsich mit einer Eiskugel – zu bekommen, hätte sie ja eigentlich nicht erst um die halbe Welt fliegen müssen ...

Ganz aus dem Häuschen ist die Freiburgerin dann allerdings, als sie erfährt, dass sie am nächsten Abend bei Kapitän Mino Pontillo am Tisch sitzen wird. Captainsdinner! Wie auf allen Schiffen weltweit, kommt für manchen Passagier die Einladung an den Tisch des Schiffsführers einem Ritterschlag gleich.

Am Captains Table dann, nach dem Auslaufen der „Silver Whisper“ vom Hafen in Penang, unterhält man sich vor allem über das Thema Globalisierung. Die Welt rückt zusammen, das habe man auch heute wieder beim Landgang in Penang bemerkt. Natürlich, die Insel vor der malaiischen Halbinsel sei 285 Quadratkilometer groß, doch dass es mitten im Herzen Südostasiens einen typisch italienischen Segafredo-Kaffeeladen gibt, hätte man dann doch nicht erwartet.

Am anderen Morgen, die Sonne steht bereits um sieben ganz hoch am Himmel, macht die „Silver Whisper“ fest in Phuket. Am Cruise-Terminal haben die Anbieter von nachgemachten Edelmarken bereits ihre Stände aufgebaut. Passagiere eines Fünf-Sterne-Luxusschiffes bleiben da natürlich standhaft und steigen, allen Versuchungen widerstehend, sofort in die Ausflugsbusse. Lieblingsziel: natürlich die James-Bond-Bucht! Oder Schwimmen im Meer. Da akzeptiert so mancher zähneknirschend die seiner Ansicht nach „unverschämten Preise“ der einheimischen Taxifahrer. Eine Stunde Badewonne, während der Chauffeur wartet, soll mit 50 Dollar bezahlt werden.

Landgang in Phuket macht offenbar müde – das bombastische, über zwei Etagen sich erhebende Theater des Schiffs ist jedenfalls abends halb leer. Dabei kann der Band-Klarinettist sogar „Nessun dorma“ spielen auf seinem Instrument. Aber für Zahnarztfrau Susanne ist es heute entspannender, die Gucci-Uhren-Kollektion anzuschauen. Die teuren Zeitmesser sind heute beim Bordjuwelier das Angebot des Tages. Und der Mai Tai, der Drink des Tages, verleiht ihr danach die nötige Bettschwere.

Denn es liegt vor den Passagieren noch ein ganzer Seetag. Und für Seetage muss man fit sein. Kaum einer der Gäste kam schließlich an Bord, um nichts zu tun. Etwas lernen wollen alle hier. Kein unnütze Zeit vergeuden. Auch Sommelier Dieter aus Österreich ist an Bord, um etwas zu lernen, die englische Sprache. Er bietet ein Weinseminar an.

Draußen scheint die Sonne, das Wasser im Pool ist 30 Grad warm, aber fast alle sitzen in der klimatisierten Show-Lounge, frieren ein wenig und lassen sich von Dieter etwas über Holzspäne in den Weinen der „Alten Welt“ erzählen. Sie testen die guten Tropfen nach dem Motto: Farbe anschauen, Glas schwingen, Schlieren suchen.

Ein bisschen benebelt geht’s nach der Weinprobe weiter mit dem Bordprogramm. Italienisch lernen mit Hostess Mervé aus Ankara. Am Nachthimmel später leuchten Riesensterne.

Kurz vor dem Einlaufen in Singapur trifft man sich wieder im Waschsalon. Mary und Richard könnten ihre Wäsche eigentlich bei ihrem Butler abliefern; sie wohnen auf Deck sechs in einem der Penthouses. Aber sie schätzen einfach die soziale Komponente, hier im Waschsalon ein bisschen plaudern zu können.

Gerade kommt auch wieder Vivianne dazu und holt ihre Wäsche aus dem Trockner. Sie beklagt sich darüber, dass es einige der englischen Mitreisenden wohl ein bisschen „strange“ finden, dass sie den Gatten zu Hause ließ, um hier an Bord „Ruhe vor der Welt“ zu haben. Um einfach nur an Bord in der Sonne zu liegen, hier zum Pilateskurs zu gehen und vor allem ohne männlichen Beistand unterwegs in den Häfen um Rubine und Jade zu feilschen. Und zum krönenden Abschluss in Singapur zu shoppen. Ohne dass der Gatte sie zur Sparsamkeit anhalte.

Frau Chang, mit der sich Mary und Vivianne während der Reise angefreundet haben, kichert, als sie das hört. Die Geschäftsfrau aus Singapur ist garantiert nicht wegen des Sonnenscheins hier auf dieser Kreuzfahrt. Sonne hasse sie, davon gebe es in Singapur wahrlich mehr als genug. Sondern weil sie einfach „cruising“, das Kreuzfahren, liebe.

Wie ihre Mitreisenden, die auf dieser Rundreise mit dem kleinen, feinen Schiff mehr als 2000 Seemeilen zurückgelegt haben, nun um etliche Dollars ärmer sind und meist auch um ein paar Kilos schwerer als zu Beginn der Reise.

Aber in Singapur wartet noch eine Attraktion auf sie: ein „Nachprogramm“ im weltberühmten Raffles-Hotel. Und dann all die Versuchungen in den glitzernden Auslagen der Orchard Road in Form von Handtaschen, Perlen, Seidenstoffen. Denn eben dafür hat man ja schließlich elf Tage Südostasien gebucht.

DATEN

Die „Silver Whisper“ wurde 2001 in Dienst gestellt und fährt unter der Flagge der Bahamas. Sie verfügt über sieben Passagierdecks und hat eine Länge von 186 Metern. Das Schiff bietet 388 Passagieren Platz und verfügt über 194 Außensuiten. Die Crew besteht aus 295 Personen.

ROUTEN

Zwischen September und Dezember 2011 übernimmt das Schwesternschiff „Silver Shadow“ Routen in Asien. Die „Silver Whisper“ befährt im Sommer 2011 den Ostseeraum.

AUSKUNFT

www.silversea.de

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