Kreuzfahrt : Wir sind Kreuzfahrer

1,77 Millionen Bundesbürger gingen 2014 auf ein Hochseeschiff. Und blieben rund sieben Tage an Bord.

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So wird es von Kreuzfahrern bevorzugt: deutscher Hafen (hier: Hamburg) und ein deutschsprachiges Schiff (hier: „Europa 2“ von Hapag-Lloyd).
So wird es von Kreuzfahrern bevorzugt: deutscher Hafen (hier: Hamburg) und ein deutschsprachiges Schiff (hier: „Europa 2“ von...Foto: Hlkf

Was die Fußballnationalmannschaft 2016 werden will, sind die Deutschen in Sachen Kreuzfahrt bereits: Europameister. So viele Urlauber wie aus keinem anderen europäischen Land unternahmen im vergangenen Jahr eine Hochseekreuzfahrt. Nur die Amerikaner liegen weltweit noch vor den Deutschen. Interessante Fakten rund ums Kreuzfahren, die die Verbände Clia Deutschland und IG River Cruise sowie der Deutsche Reiseverband (DRV) auf der Reisemesse ITB vorstellten.

Zahl der Kreuzfahrer: 1,77 Millionen Urlauber aus Deutschland gingen im vergangenen Jahr an Bord eines Hochseekreuzfahrtschiffs. Seit 2004 hat sich diese Zahl verdreifacht. Damit ist Deutschland voraussichtlich zur größten Kreuzfahrernation in Europa geworden – die Zahlen aus den anderen Ländern liegen noch nicht endgültig vor. Bislang trugen diesen Titel die Briten. „Die Nachfrage ist ungebrochen“, sagte Clia-Deutschland-Chef Michael Ungerer. „Die Kreuzfahrt hat einen Imagewandel durchgemacht, alte Zöpfe wurden abgeschnitten, sie ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, auch in Bezug auf die Bezahlbarkeit.“

In den vergangenen Jahren verlangsamte sich jedoch das Wachstum, 2014 stieg die Zahl gegenüber 2013 nur noch um fünf Prozent. Als Gründe nannte Ungerer, der gleichzeitig Geschäftsführer von Aida Cruises ist, fehlende Kapazitäten. „Wir könnten mehr Schiffe füllen.“ Von einer Sättigung will er nicht sprechen. Auch für die kommenden Jahre ist Ungerer optimistisch. „Bis 2016 wollen wir die Zwei-Millionen-Marke knacken, bis 2020 peilen wir noch einmal eine weitere Million Passagiere an.“

M. Ungerer
M. UngererFoto: Aida Cruises

Bevorzugte Reedereien: Die deutschen Urlauber sind Gewohnheitstiere. Auch auf dem Kreuzfahrtschiff wollen sie deutsches Essen, deutsche Sprache. Folglich gingen 2014 die meisten Passagiere bei deutschen Reedereien an Bord: 1,18 Millionen Urlauber machten bei Aida, Tui Cruises und Co. Urlaub, gerade einmal 590 000 bei allen internationalen Marken zusammen.

Länge der Reise: 8,83 Nächte – so lange dauert durchschnittlich eine Reise, wenn Urlauber aus Deutschland auf Kreuzfahrt gehen. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine ganz leichte Steigerung. Grundsätzlich liegt die Reisedauer bei deutschen Reedereien höher als bei den internationalen, dadurch sind deutsche Passagiere auch etwas länger unterwegs. Die dominante Reiseform bleibt jedoch auch bei den Deutschen die Sieben-Tage-Reise.

Alter der Passagiere: 50,4 Jahre alt ist der Durchschnittskreuzfahrer auf hoher See. Überraschenderweise ist der Altersschnitt auf internationalen Schiffen mit 51,6 Jahren höher als auf deutschen Schiffen (49,8 Jahre). Wachsender Beliebtheit erfreut sich die Kreuzfahrt nach Ungerers Worten als Mehr-Generationen-Urlaub – Großeltern gehen mit Kindern und Enkeln auf Fahrt.

Fahrtgebiete: Am beliebtesten bleibt das Mittelmeer. Hierhin führten 32,1 Prozent aller Reisen. Auf Platz zwei folgt Westeuropa (14,6), dahinter Norwegen (12,5), Atlantik/Kanarische Inseln (11,2), Nordamerika/Karibik (10,1), Ostsee (8,9) und Arabischer Golf (3,9).

Signifikant ist der Rückgang im Mittelmeer, wo es 2013 noch 33,5 Prozent waren, und gleichzeitig der deutliche Anstieg für Westeuropa (2013 rund acht Prozent). Zählt man West- und Nordeuropa sowie die Ostsee zusammen, haben diese Ziele das Mittelmeer mittlerweile überholt. „Alles, was von Deutschland aus abgeht, wird immer beliebter“, so Ungerer. Der wichtigste Grund liegt auf der Hand: die einfache Anreise. Die Reedereien reagieren mit einer Verlagerung von Schiffskapazitäten vom Mittelmeer in andere Regionen von Europa.

Deutsche Häfen: Mehr als 600 Kreuzfahrtschiffe mit 1,56 Millionen Passagieren liefen im vergangenen Jahr die deutschen Häfen an – allen voran Hamburg, Warnemünde und Kiel. Das bedeutet ein Plus von 4 Prozent.

Neue Schiffe: Die Orderbücher der Reedereien zeigen für den Zeitraum 2015 bis 2017 derzeit 25 weitere Schiffe und damit knapp 71 000 neue Betten. Die Aufträge von fünf Schiffen kommen von deutschen Reedereien. In diesem Jahr allein werden sieben neue Schiffe in Dienst gestellt – zwei für den deutschen Markt: die „Aida Prima“ und „Mein Schiff 4“ von Tui Cruises.

Alles im Fluss: Erstmals seit 2011 ist auch der deutsche Flusskreuzfahrtmarkt wieder gewachsen: Knapp 416 000 Trips wurden 2014 laut Branchenverband IG River Cruise gebucht, ein Plus von 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings wurde das Wachstum offenbar durch niedrigere Preise erkauft. Sowohl Einnahmen als auch durchschnittlicher Tagespreis gingen zurück. Die IG River Cruise spricht von einem „harten Preiskampf“. Immer noch kämpft die Flusskreuzfahrtbranche mit witterungstechnischen und politischen Problemen: Niedrigwasser führte im vergangenen Sommer zu Absagen von Reisen, durch die Unruhen fielen Russland und Ukraine als Zielgebiete weitestgehend aus. Donau und Rhein waren 2014 weiter die beliebtesten Zielgebiete.

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