Kreuzfahrt : Büffeln an Bord

Auf einem Tui-Schiff ist die Crew international – und bekommt Deutschunterricht.

von
Stolz auf ihre Schüler. Lehrerin Beatrix Westphal hält sich lieber im Hintergrund.
Stolz auf ihre Schüler. Lehrerin Beatrix Westphal hält sich lieber im Hintergrund.Foto: promo

Auf einem Schiff arbeiten? Das wollte Beatrix Westphal eigentlich nie. Dazu liebt sie ihr Zuhause in der Nähe von Kassel viel zu sehr, das Zusammensein mit Freunden. Irgendwann ließ sich die gelernte Industriekauffrau, die als Deutschlehrerin bei Berlitz arbeitete, überreden, es doch mal zu probieren. Das ist einige Jahre her. Seitdem unterrichtet sie Deutsch auf der Tui-Flotte, inzwischen auf „Mein Schiff 5“.

Ihr Klassenzimmer ist ein Konferenzraum auf Deck 5, direkt hinter dem Theater. Maximal zehn Leute passen in eine Klasse, und natürlich gibt es Hausaufgaben, auch Prüfungen. Trotzdem sind die Kurse, die meist vor Dienstbeginn oder unmittelbar danach stattfinden, so beliebt, dass die Kapazität kaum ausreicht.

"Deutschkurse sind eine wahnsinnige Chance, schneller aufzusteigen"

Derzeit arbeiten Menschen aus 46 Nationen auf dem Schiff. Deutsch ist die Bordsprache, deshalb werden alle Mitarbeiter, die unmittelbar mit den Gästen zu tun haben, zuerst in die Kurse aufgenommen, Kellner zum Beispiel oder Spa-Mitarbeiter. An Seetagen hat die Security Vorrang, weil sie an Landtagen mit dem Screening der Gäste zu beschäftigt ist.

„Deutschkurse sind eine wahnsinnige Chance, schneller aufzusteigen“, sagt die resolute Lehrerin. Sie unterrichtet nach der Berlitz-Methode Level 1 bis 6. Muttersprachliche Kenntnisse würden Level 10 entsprechen. Wer Level 6 erreicht, kann schon Krisen managen.

Gern arbeitet sie mit einem Bildwörterbuch, schließlich geht es darum, sich Gegenstände, die in den Kabinen oder in der Küche eine Rolle spielen, rasch einzuprägen. Leute, die zum ersten Mal auf einem Schiff sind, lehnt sie ab. „Die haben genug damit zu tun, sich erstmal einzufinden.“

Die Lehrerin arbeitet sieben Tage in der Woche

Später lernt es sich leichter, vor allem wenn man dreimal täglich jeweils fünf Minuten investiert, um sich Vokabeln einzuprägen oder deutschsprachige Musikvideos anzuschauen.

Die meisten Teilnehmer sind hoch motiviert. „Ich liebe meine Schüler“, sagt die 38-jährige Lehrerin. „Wenn die Welt so funktionieren würde, wie in meinem Klassenzimmer auf dem Schiff, wäre alles gut.“ Besonders gerührt ist sie von der gegenseitigen Hilfsbereitschaft von Menschen, die aus völlig unterschiedlichen Kulturkreisen kommen. In einer Klasse sind Crew-Mitglieder aus Nicaragua, Honduras, Indonesien, den Philippinen, Indien und Spanien.

Ein Abschlusszertifikat gibt es natürlich auch. Das behält seinen Wert auch auf Schiffen mit internationalem Publikum. Die Lehrerin arbeitet sieben Tage in der Woche, jeweils zehn Stunden am Tag.

Motivation funktioniert auf einem Schiff auch in Gegenrichtung. Von ihren Schülern hat sich Beatrix Westphal inspirieren lassen, nun auch die Sprache zu lernen, die auf den Philippinen gesprochen wird.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar