Kreuzfahrten-Knigge von Andreas Lukoschik : Die Teller bitte moderat füllen

Ein Buch will Kreuzfahrtneulingen helfen. Herausgekommen ist eine Plauderei aus Tipps und Anekdoten.

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Die MSC "Meraviglia" auf hoher See.
Die MSC "Meraviglia" auf hoher See.Foto: MSC

Eine Kreuzfahrt buchen, an Bord gehen und ahoi: nichts einfacher als das. Wer seine Ferien schon öfter auf dem Meer verbracht hat, wird das zumindest so sehen. Aber für viele ist es eben doch das erste Mal. Und für diese Menschen hat Andreas Lukoschik sein Buch „Ist das Schiff schon mal untergegangen? – Das neue Kreuzfahrt ABC“ geschrieben. Weil sein 2012 erschienener Kreuzfahrt-Leitfaden so erfolgreich war, hat der Autor nun nachgelegt.

Auf dem Cover prangt die Silhouette eines schneeweißen Oceanliners, eines jener Modelle also, die auf den Weltmeeren fast ausgestorben sind. Heute kreuzen vor allem monströse Kästen, die tausenden Passagieren Platz bieten. „Denn mit zunehmender Breite der Schiffe wird inzwischen gern eine Art Innenhof angelegt – mit Shopping-Arkaden, Sportmöglichkeiten und einem Open-Air-Theater“, erklärt Lukoschik. Die Wahl des Schiffes ist natürlich immer eine Frage des Budgets. Eine Kreuzfahrt auf einem kleineren Schiff mit maximal 400 Passagieren kostet erheblich mehr als eine, auf der 4000 zahlende Gäste an Bord sind.

Mindestens so wichtig ist die Wahl des Zielgebietes. Hier präsentiert der Autor eine Art Kalender, in dem er Vor- und Nachteile der jeweiligen Saison notiert. An der mexikanischen Küste etwa herrschen von Februar bis Mitte April angenehme Temperaturen, während im Oktober und November „weniger Besucher zu erwarten sind“. In Nordeuropa aber tummeln sich die Schiffe von Juni bis August, während im Frühling und im Herbst „wundervolle Stimmungen“ zu erleben sind.

Hausverstand über Bord!

Während dieser Kalender hilfreich ist, muss man wertvolle Informationen im Buch im Übrigen suchen. Der Autor möchte mit seinem Kreuzfahrt-ABC vor allem unterhalten. Und so reiht er eine Anekdote an die andere und gibt etwa die Frage einer Dame wieder: „Legen eigentlich alle Decks gleichzeitig ab?“ Wer Sinn für diese Art von Humor hat, wird des öfteren Grund zum Schmunzeln haben. Dass man sein E-Mail-Programm abschalten und lieber Postkarten oder sein ganz persönliches Bordtagebuch schreiben soll, ist ein guter Urlaubstipp. Nur fehlt hier der wichtige Hinweis, dass Internet an Bord extrem teuer ist.

Viele Tipps etwa zum Landgang sind für alle Urlauber zu beherzigen. Etwa, dass man den Preis für die Taxifahrt besser vorher aushandelt, es sei denn, man befindet sich in einer Weltgegend, in der Taxameter üblich sind und auch funktionieren. Dass man nicht mit echtem Schmuck und teuren Kameras behängt durch arme Regionen spaziert, versteht sich doch von selbst. Vor allem sollte man pünktlich zurück an Bord sein. Zwar schreibt der Autor belustigt über einen Passagier, der auf einer unbewohnten Insel „vergessen“ und dann mit viel Aufwand zurückgeholt wurde, doch in aller Regel herrscht das Gebot: „Das Schiff wartet nie.“ Wer es verpasst, muss ihm hinterherfahren oder -fliegen.

Allgemeinplätze à go­go

Lukoschik empfiehlt, im Voraus ein „Getränkepaket“ zu buchen, am besten noch zu Hause per Internet. Auch Wellnesspakete seien günstiger vorab zu ergattern. Zudem rät er, auf teure organisierte Landausflüge zu verzichten und die unbekannte Welt hinter dem Hafen auf eigene Faust zu entdecken.

Wer dies tut, dürfte ein erfahrender Reisender sein. Und der kann auf dieses Buch gut und gern verzichten. Denn er wird sich, bei Schiffswahl, Zielgebiet und Saison, vor der Buchung umfassend aus verschiedenen Quellen informieren. Fünf Grundregeln, so erklärt Lukoschik, gilt es auf Schiffsreisen zu beherzigen: „sich zivilisiert kleiden, die Stimme im Zaum halten, moderat die Teller füllen, keine Liegestühle reservieren und das Personal an Bord freundlich behandeln.“ Sollte das nicht, auch in einem Urlaubsresort an Land, selbstverständlich sein?

Der Verlag bewirbt den Titel mit dem Button „Geschenkbuch“. Kann ja sein, dass sich der eine oder andere Kreuzfahrtneuling über die 270 gebundenen Seiten freut.

Foto: Kiepenheuer & Witsch

— Andreas Lukoschik: Ist das Schiff schon mal untergegangen? Das Neue Kreuzfahrt ABC, Kiepenheuer & Witsch, 2017, 270 Seiten, 18 Euro

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