Kreuzfahrten : Bekanntschaft bei Sonnenaufgang

Kabinenwahl, Tischzeiten und Trinkgelder: Hinweise für alle, die erst Kreuzfahrer werden wollen.

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So charmante Begegnungen wie im Film „Salem Aleikum“ (1959) sind heutzutage selten an Bord, aber noch immer möglich. Foto: defddefd Deutscher Fernsehdienst

   An Bord eines Kreuzfahrtschiffes ist vieles anders als an Land. Wer zum ersten Mal Urlaub auf See macht, muss sich daher zunächst einmal an die eine oder andere Besonderheit gewöhnen. Hier ein kleines Bord-Einmaleins:    

Bordkarte: Sie ist Zimmerschlüssel, Ausweis und auch als Zahlungsmittel zu verwenden. Oft ist darauf ein Foto vom Gast zu sehen, das beim Einchecken aufgenommen wird. Bei Landausflügen wird mit der Bordkarte aus- und eingecheckt. So weiß der Kapitän vor der Weiterfahrt, ob alle seine Schäfchen wieder an Bord sind – und ohne wen er ablegt ...

   

Pass: Den wird der Gast am Anfang einer Reise los und bekommt ihn erst am Ende wieder. Das vereinfacht den Reedereien beim Anlaufen fremder Länder die Formalitäten.

   

Singletreffen: Auf fast jedem Kreuzfahrtschiff bekommen Alleinreisende eine Einladung zum Treffen der Singles. Das ist kein Verkupplungsabend vonseiten der Reederei, sondern soll Passagieren helfen, die alleine reisen, aber gerne Kontakte an Bord hätten.

   

Gesetzte Essen: Auf vielen Schiffen gibt es immer noch gesetzte Essen an großen Tischen. Das hat den Vorteil, dass es keine Drängelei am Büfett gibt – und den Nachteil, dass die anderen Gäste am Tisch Überraschungen sind. Es gibt aber einen Fluchtweg: Bei Nichtgefallen reicht in der Regel ein Hinweis an den Oberkellner, um umgesetzt zu werden.

   

Schiffsarzt: Traumjobs wie den des Dr. Horst Schröder vom ZDF-„Traumschiff“ gibt es wenige – nur die großen Reedereien und Schiffe haben fest angestellte Mediziner an Bord. Viele Ärzte auf Kreuzfahrtschiffen haben eine eigene Praxis an Land und kommen nur in ihrem Urlaub zum Einsatz an Bord. Dort gehören sie allerdings während dieser Zeit zur Besatzung. Ähnlich läuft es mit den Seelsorgern an Bord.

   

Schiffsschaukeln: Das Schiff schaukelt auch nachts. Einige Passagiere können dabei hervorragend schlafen, andere weniger. Wer den Wellengang nicht so kräftig spüren möchte, sollte eine Kabine in der Schiffsmitte buchen, wo das Auf und Ab am wenigsten spürbar ist.

   

Motorbrummen: Ein Schiff hat einen Dieselantrieb, und das hört man oft auch, selbst bei teuren Schiffen und besonders deutlich am Heck. Wer ruhig schlafen möchte, sollte möglichst eine Kabine am Bug buchen.

   

Durchblick: Auf jedem Deck gibt es einige Kabinen, die ein wenig preisgünstiger sind als die anderen – und das hat seinen Grund. Meist haben sie eine Sichtbehinderung oder Geräuschbeeinträchtigung. Wer also Wert darauf legt, aus dem Fenster auf den Horizont und nicht auf das Rettungsboot zu sehen beziehungsweise von geräuschvoll laufenden Aufzügen oder Eismaschinen verschont zu bleiben, bucht diese Kabinen besser nicht.

   

Abendkleider: Noch vor 15 Jahren hieß es „No Shorts“ selbst zum Frühstück. Inzwischen haben viele Schiffe ihre Kleiderordnung stark gelockert. Selbst auf Luxusschiffen ist oft nicht mehr bei jedem Dinner Abendgarderobe erwünscht. Shorts und ärmellose T-Shirts zu den Mahlzeiten sind aber immer noch keine angebrachte Garderobe an Bord.

 Schuhe: Auch wenn frau sie noch so sexy findet: Hohe Hacken sind auf hoher See fehl am Platz. Nicht weil sie kleine Löcher in den Holzplanken hinterlassen, die gibt es kaum noch. Sondern weil der Seegang meist zu etwas breitbeinigem Gang verleitet und man auf hohen Absätzen eher den Halt verliert als in Slippern. Auch für den Landgang ist ein bequemer, rutschfester Schuh besser: Die Gangway ist oft glatt und steil, und Hafengegenden sind auch keine Einkaufszentren.

   

Early bird: So werden die Gäste genannt, die den Sonnenaufgang an Deck bewundern wollen. Für sie hält die Crew jeden Morgen Kaffee und Tee bereit, vielleicht auch noch süßes Gebäck. Hier findet man schnell Anschluss unter Gleichgesinnten.

   

Fünf Mahlzeiten: Sind an Bord die Regel. Keine Sorge, Sie schaffen das. Es muss an der appetitanregenden Seeluft liegen.

   

Mitternachtsbüfett: Ist heute kein großes Gelage mehr, sondern mehr ein Snack. Oft steht dort eine Käseplatte, eine herzhafte Suppe oder Bockwurst.

Seekrankheit: Ist auf den Kreuzfahrern dank neuer Technik nicht mehr so verbreitet. Aber wenn der Kreislauf schlapp macht: hinlegen und Anisschnaps trinken. Eingelegter Ingwer soll auch helfen.

Trinkgelder: Sind Pflicht, und großzügig sollten sie auch sein. Ein Zehner auf dem Kopfkissen ist auf einem Kreuzfahrtschiff nie genug. Viele Servicekräfte leben von dem Obolus. Die Reederei verrät gern, welche Summe für wen angebracht ist. Mitunter wird sogar ein Abbuchungsservice von der Bordkarte angeboten. Und selbst wo „Trinkgeld inklusive“ in den Reisebroschüren steht, ist eine anständige Gabe für das Zimmermädchen, den Lieblingssteward, den Weinkellner und den Oberkellner gern gesehen.

   

Koffer vor der Tür: Auf Schiffen ist es üblich, in den späten Abendstunden vor dem Abreisetag die fertig gepackten Koffer vor die Kabine zu stellen. Diese werden über Nacht eingesammelt, damit sie zeitig zu den Transferbussen gebracht werden können. Das heißt: Platz im Handgepäck lassen für das Nachthemd und die Zahnbürste!

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