Kreuzfahrten : Bugspitze voraus

Über eine Million Deutsche buchten 2009 eine Kreuzfahrt – Tendenz steigend.

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Wellen, Wind und weite Welt – die Faszination für die Seefahrt ist allem Anschein nach in Deutschland ungebrochen. Fast sieht es auch so aus, als könnten Kreuzfahrtschiffe gar nicht so schnell gebaut werden, wie die Nachfrage steigt. Die seit Jahren angepeilte Marke von einer Million Kreuzfahrtpassagiere aus Deutschland wurde gar ein Jahr früher als geplant erreicht: 2009 gingen 1,025 Millionen Gäste an Bord von Hochseeschiffen. Wie eine Studie des Deutschen Reise Verbands (DRV) zeigt, hat das erfreuliche Gesamtbild der Kreuzfahrt im vergangenen Jahr nur eine leichte Eintrübung hinnehmen müssen: Auf den Flüssen entwickelt sich das Geschäft zwar auch, jedoch nicht mit dem gewünschten Schub.

Die Branche reagierte nach Abschluss des Krisenjahres 2009 geradezu euphorisch: mehr als zehn Prozent Wachstum gegenüber dem Jahr zuvor – wo gibt’s das schon in diesen Zeiten? Die Anbieter von Hochseekreuzfahrten hatten eindeutig die Bugspitze vorn. Sie verbuchten ein kräftiges Gästeplus von gut 13 Prozent. Hingegen mussten sich die Veranstalter von Flusskreuzfahrten mit einer Steigerung von „nur“ 3,2 Prozent zufrieden geben. „Allein die Zahl der Hochseegäste hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht“, konstatierte Michael Thamm, Vorsitzender des DRV-Ausschusses Schifffahrt und Chef von Aida Cruises, bei der Vorstellung der DRV-Analyse in Berlin. Die Kreuzfahrt allgemein gehöre zu den am stärksten wachsenden touristischen Segmenten. Er gehe davon aus, dass die zahlreichen neuen Hochsee- und Flusskreuzfahrtschiffe, die in diesem Jahr in Dienst gestellt werden, die Nachfrage weiter ankurbeln. „Das Interesse am Urlaub auf dem Wasser ist ungebrochen“, sagte Thamm.

Der Optimismus des Aida-Chefs wird gestützt von anderen Reedern und Veranstaltern. Etwa 70 Prozent der im Rahmen der DRV-Studie befragten Unternehmen rechnen auch 2010 mit einem Zuwachs. „Das Gerede von Überkapazitäten nimmt nicht ab – und ich mag es nicht mehr hören “, sagt etwa Richard Vogel, Chef von Tui Cruises. „Doch wenn man sich die Buchungszahlen und das Interesse an der Kreuzfahrt anschaut, schwimmt offenbar noch nicht genügend Tonnage auf den Meeren.“

Ob für sein Unternehmen neben „Mein Schiff“ ein Zukauf oder Neubau am Horizont zu erkennen sei, mag Vogel, der Mitte der neunziger Jahre maßgeblich am Aufbau von Aida Cruises und der Idee des Clubschiffs beteiligt war, nicht kommentieren. „Nur so viel: In zehn Jahre möchte ich in Rente gehen. Und dann kann ich mir vorstellen, dass Tui Cruises mehr als ein Schiff besitzt.“

Über eine ansehnliche Flotte von aktuell sieben Schiffen verfügt Aida Cruises (Nummer acht, „Aida Blu“, ist bereits bei der Meyer Werft in Bau, soll 2011 in Dienst gestellt werden) und hat bereits jetzt die Umsatzziele dieses Jahres zu 80 Prozent erreicht. Und die dürften noch etwas höher liegen als das Rekordergebnis von 2009. Insgesamt erzielten die Veranstalter auf dem Markt der Hochseekreuzfahrt bei einem Umsatz von 1,9 Milliarden Euro ein Plus von 14 Prozent. Dabei ist der durchschnittliche Reisepreis von 1881 Euro nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahr geblieben.

An der Beliebtheit der Fahrtgebiete hat sich wenig geändert. Das Mittelmeer liegt trotz Einbußen von sieben Prozent mit etwa 340 000 Passagieren weit vorn, gefolgt von der Karibik. Klar aufgeholt haben Fahrten zu den Häfen Westeuropas inklusive der Atlantischen Inseln, Nordland-Ziele und der Ostseeraum. Als Aufsteiger der Saison gilt der Persische Golf mit dem Kreuzfahrthafen Dubai. Hier konnten die Passagierzahlen mit rund 62 000 mehr als verdoppelt werden. Für das kommende Jahr erwarten rund 70 Prozent der Anbieter ein noch besseres Geschäft.

Die Stimmung bei den Flussschiffern ist hingegen weniger euphorisch. Die insbesondere bei älteren Gästen beliebte Art des bequemen Reisens konnte zwar 2009 auch steigende Passagierzahlen verzeichnen. Doch das wirtschaftliche Gesamtergebnis der Branche blieb unbefriedigend: Der Umsatz sank um 4,3 Prozent auf 423 Millionen Euro. Belastet wurde das Geschäft vor allem durch zwei Insolvenzen, Transocean Tours und die Flussreisensparte der Deilmann Reederei, die allein noch mit ihrer „Deutschland“ als ZDF-Traumschiff für Furore sorgt.

Der durchschnittliche Reisepreis auf den Flüssen ermäßigte sich gegenüber Vorjahr um 7,3 Prozent auf 1070 Euro.

Die Donau liegt als beliebtestes Revier der Deutschen weiter vorn. Erst mit gehörigem Abstand folgen der Nil und die Flüsse in Deutschland. An Attraktion verloren haben gemäß der Studie die russischen und ukrainischen Ziele. Am Ende des Felds bewegt sich Frankreich, wo jedoch auch nur ein vergleichsweise kleines Angebot gibt. Für das laufende Flussreisejahr ist die Branche verhalten optimistisch, obwohl die derzeitige Buchungslage eher zurückhaltend ist.

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