KREUZFAHRTEN Leinen los auf Flüssen und Meeren : Die Mischung macht’s

„Themenreisen“ auf Schiffen – Musik steht dabei hoch im Kurs

Dagmar Zurek

Zum Amazonas mit Patrick Lindner, mit Gitte Haenning nach Dubai oder mit Anna Maria Kaufmann durch die Karibik kreuzen – auf Schiffen wie „Astor“ und „Astoria“ ist für Kreuzfahrer der mittleren Generation Kurzweil angesagt. Der Flügel im Foyer, das Streichquartett in der Lounge oder die obligatorische Bordband zum abendlichen Schwoofen gehören inzwischen zum festen Standard des Reisens zur See.

Eigentlich ist ja jede Kreuzfahrt per se schon eine Musikreise, der Begriff „Musikdampfer“ kommt schließlich nicht von ungefähr. Keine Amazonasreise ohne das legendäre Opernhaus in Manaus, keine Reise nach Brasilien ohne Samba-Rhythmen, keine Reise nach Norwegen, ohne in Griegs Haus „Solveigs Lied“ gehört zu haben. Kein Kreuzfahrtschiff, das Kusadasi anläuft, ohne für die Passagiere ein Kammerkonzert im Amphitheater von Ephesus zu veranstalten.

Selbst auf den Party-Schiffen der „Aida“-Flotte kann man Klassik kaum entgehen. Denn dort wird man zumindest auf der „Diva“ zur spektakulären russischen Hochseil-Akrobatik im dreistöckigen Teatrium mit Melismen aus der Oper „Lakmé“ beschallt.

Immer größer dagegen wird unter den Reisenden die Anzahl von Connaisseuren, die gerade wegen eines speziellen Musikprogramms bestimmte Schiffe buchen. Während deutsche Reedereien den Trend längst erkannt haben, tut sich der internationale Kreuzfahrtmarkt noch ein wenig schwer gerade mit den sogenannten Themenreisen Musik.

Obwohl Schiffe der Reederei MSC schon verpflichtet wären durch die Namen ihrer Schiffe wie „Musica“, „Melody“ oder „Orchestra“ mit ihren Decks, die ihren Namen Puccini-Opern verdanken, jede Menge Themenreisen mit viel Klassik an Bord anzubieten, steht die Reederei, „mit dem Thema Musikkreuzfahrten noch ganz am Anfang“, wie Pressesprecherin Britt Stukenberg sagt. Erstmalig gab es eine solche im Jahr 2000. In diesem Jahr wird die etwas angejahrte „Melody“ allerdings noch eine sehr umfangreiche Themenreise Klassik anbieten. Künstler stehen jedoch noch nicht fest.

„Uns ist es eine Verpflichtung, auf den Wunsch unserer Gäste einzugehen, während jeder Reise der ,Deutschland‘ immer hochwertige Künstler an Bord auftreten zu lassen“, sagt dagegen Gisela Cuellho von der Reederei Deilmann. Das beziehe sich keineswegs nur auf die sogenannte E-Musik und auf die „Galareisen der Klassischen Musik“, wie sie auf der „Deutschland“ ein Mal im Jahr, mit kompletten Orchestern und namhaften Künstlern an Bord, veranstaltet werden. Auch im Angebot der regulären Kreuzfahrten achtet man bei Deilmanns „Traumschiff“ auf die richtige Mischung zwischen U- und E-Musik.

Auch auf allen Reisen der „Europa“ wird der populären Musik Rechnung getragen. Da mischen dann schon mal Legenden der Populärmusik wie Udo Jürgens oder Udo Lindenberg die Gäste auf.

Was spezielle „Themenreisen Musik“ betrifft, so folgen sowohl die Reedereien Deilmann als auch Hapag Lloyd seit einiger Zeit dem Trend, beliebte Klassikfestivals an Bord zu transferieren. Kreuzfahrten unter dem Motto „Lucerne Festival an Bord der ,Europa‘“ oder „Künstler des Schleswig-Holstein-Festivals an Bord der ,Deutschland‘“ zu veranstalten, kulminierte unlängst im ersten eigenständigen Klassikfestival auf einem Kreuzfahrtschiff: Das „Ocean Sun Festival“ wurde im August von Hapag-Lloyd gemeinsam mit einer großen Künstleragentur und einem großen Label erstmalig auf der „Europa“ veranstaltet und wird nun alljährlich wiederholt.

Im kommenden Jahr findet das Festival auf der Route „Rund um Westeuropa“ von Hamburg nach Barcelona (14. bis 28. September) statt. Programm und Künstler werden Ende des Jahres bekannt gegeben. Außerdem wird die Reederei in diesem Jahr noch weitere Musik-Themenreisen auf dem Fünf- Sterne-Schiff anbieten.

Dabei gibt es durchaus auch Kreuzfahrt-Veranstalter, die eine thematische Ausrichtung von Kreuzfahrten auf einen speziellen Kreis von Musikliebhabern nicht für unbedingt zwingend halten. Benjamin Krumpen, Geschäftsführer von Phoenix-Reisen, sagt dazu: „Themenreisen Musik bieten wir nicht an. Wir haben immer gute Künstler an Bord unserer Hochseeschiffe. Der eine nennt es halt Themenreise, der andere hat die guten Künstler immer an Bord.“

So mache schon die ständige Anwesenheit des russischen Bord-Pianisten auf der „Amadea“, Anatoli Gololobow, der, wenn gewünscht, ganze Opern paraphrasiert oder schon mal alle 32 Klaviersonaten Beethovens auf einer Reise vorträgt, für viele musikliebende Passagiere eine Kreuzfahrt mit der „Amadea“ zum ultimativen Musikerlebnis.

Die Anbieter des amerikanischen Kreuzfahrt-Marktes dagegen, deren Reisen zunehmend auch von vielen Deutschen gebucht werden, setzen in den Musikprogrammen ihres Bordalltags vor allem auf große, bereits an Land vorproduzierte Musikshows im „Las Vegas Style“. Das abendliche After-Dinner-Entertainment durch wirkliche Stars wird hier ganz groß geschrieben. Dabei nimmt vor allem die Musikrichtung des Jazz einen größeren Stellenwert als Klassik ein.

Bret Bullock, zuständig für den Entertainment-Bereich der Luxuskreuzfahrten von Crystalcruises, legt Wert darauf, dass die Gäste an Bord „auch theoretisch etwas über Geschichte und Kultur des Jazz und Amerikas Musiktradition erfahren können“. Deshalb werden die Jazz-Reisen der „Crystal Symphony“ mit Vorträgen von Jazz-Experten begleitet. Nachtkonzerte, Gala-Jazz-Brunches sind darüber hinaus Versuche, Konzerte aus dem regulären Konzertambiente herauszuholen.

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