Kreuzfahrtschiffe : Eilig in die raue See

Schlank, schnell und robust: Warum Ocean Liner keine Kreuzfahrtschiffe sind – und zahlreich zu Legenden wurden.

Franz Neumeier
Schnelldampfer „Augusta Victoria“. Erstes Kreuzfahrtschiff für die „Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft“ (Hapag).
Schnelldampfer „Augusta Victoria“. Erstes Kreuzfahrtschiff für die „Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft“...Foto: akg-images

Die Zeit der legendären Ocean Liner ist lange vorbei, der Mythos dieser majestätischen Wunder der Technik jedoch bleibt. Die meisten von ihnen fuhren zu einer Zeit über die Ozeane, als man von Flugzeugen – zumindest als Massentransportmittel rund um die Welt – nur träumen konnte. Zu einer Zeit, als man die großen Passagierschiffe noch technisch vollkommen korrekt als „Dampfer“ bezeichnen durfte und die Schiffe nicht ausschließlich zum Vergnügen der Passagiere über die Meere schipperten, sondern das wichtigste oder sogar einzige Transportmittel von Europa nach Amerika darstellten.

Gelegentlich werden die Begriffe „Ocean Liner“ und „Kreuzfahrtschiff“ gleichgesetzt. Falsch. Schiffsfans kennen natürlich den Unterschied: Liner transportierten Passagiere (und teilweise auch Fracht und Post) von A nach B nach einem festen Fahrplan und mit Zwischenstopps höchstens, um weitere Passagiere aufzunehmen. Ocean Liner unterscheiden sich allerdings auch in der Konstruktion erheblich von modernen Kreuzfahrtschiffen. Sie waren schlanker, robuster und vor allem schneller konzipiert. Denn anders als auf Kreuzfahrt hatten es die Passagiere eilig. Schlechtem Wetter, Sturm und rauer See wich der Kapitän nur aus, wenn es absolut notwendig war.

Einzig die Schiffe der Traditionsreederei Cunard sind auch heute noch eher als Transatlantik-Liner konstruiert, freilich mit all den Annehmlichkeiten moderner Kreuzfahrtschiffe. Trotzdem zählen diese Schiffe, beispielsweise die „Queen Mary 2“, zu den Kreuzfahrtschiffen, weil sie im Wesentlichen keine Linienschiffe im strengen Sinn mehr darstellen, sondern eben Vergnügungsschiffe mit dem vorwiegenden Fahrtgebiet Transatlantik.

Unerhört luxuriös: die „Titanic“

Ein Schiff spielt in dem Reigen der Oldtimer eine besondere Rolle. Weil es etwas Besonderes ist: Hapags „Augusta Victoria“. Von 1888 bis 1889 war sie das größte deutsche Passagierschiff und der erste Doppelschrauben-Personendampfer. Besonders aber wird die „Augusta Victoria“, weil sie als das erste deutsche Kreuzfahrtschiff schon 1892 zu einer reinen Vergnügungsreise in See stach. Freilich war ihr international bereits 1882 das britische Schiff „Ceylon“ mit der ersten Kreuzfahrt überhaupt zuvorgekommen.

Ungleich berühmter jedoch: die „Titanic“. Spätestens seit James Camerons gleichnamigem Kinofilm kennt wirklich jeder das tragische Schicksal des RMS, des Königlichen Postschiffs. Obwohl es bereits auf seiner Jungfernfahrt sank, ist es zweifelsfrei das wohl bekannteste Passagierschiff aller Zeiten. Dabei hätte die „Titanic“ auch ohne ihren dramatischen Abgang das Zeug zu einer Berühmtheit gehabt. Bei ihrer Indienststellung am 2. April 1912 war sie das größte Passagierschiff der Welt, ausgestattet mit der modernsten Technik und unerhörtem Luxus.

Paradoxerweise verdanken mutmaßlich Tausende von Menschen der „Titanic“ ihr Leben: Ihr Untergang führte zu zahlreichen neuen Gesetzen und Vorschriften zur Sicherheit auf Passagierschiffen, allen voran das internationale Abkommen Solas („Safety of Life at Sea“), das bis heute fortgeführt und ständig ergänzt und weiter verschärft wird.

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