Kurz-Urlaub in Fincken : Dornröschen hat ein Separee

2007 war das historische Kavaliershaus am Finckener See fast eine Ruine. Berliner Architekten machten ein verträumtes Hotel daraus.

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Ton in Ton. Das klappt wahrscheinlich auch in diesem Winter wieder.
Ton in Ton. Das klappt wahrscheinlich auch in diesem Winter wieder.Foto: promo

Architekten können nicht anders. „Ich habe auch Mitleid mit Häusern“, sagt Johanne Nalbach, um zu erklären, warum sie sich mit ihrem Mann Gernot ausgerechnet im Kavaliershaus am Finckener See verfangen hat. Sie fand es in einem Auktionskatalog, es war kaputt, und sie konnte nicht anders. 2007 war das – und nach langer Sanierung öffnete im Frühjahr 2010 in dieser verträumten Ecke Süd-Mecklenburgs zwischen Müritz und Plauer See ein Hotel mit nur zwölf Suiten, wie es individueller kaum sein kann.

Die renommierten Berliner Architekten haben so etwas nicht zum ersten Mal gemacht. Ihnen gehört schon seit 1993 das ebenso kleine Seehotel am Neuklostersee in der Nähe von Wismar, ein Versteck für alle, die Ruhe in gelassener Atmosphäre suchen, aber Hotels eigentlich nicht leiden können.

So muss man wohl auch das Kavaliershaus einstufen: Alles ist da, der historische Bau, das große, abgelegene, dicht bewachsene Seegrundstück, die Ruhe, dazu Gernot Nalbachs Markenzeichen: Die Erklärungen und Hinweise, die er mit schöner, klarer Handschrift auf Glasflächen und Spiegeln hinterlässt. Mancher Gast wird den kauzigen Graubart im weißen Leinenanzug vermutlich für das Hotelfaktotum halten, ein Missverständnis, mit dem er nicht ungern spielt.

Nebenan steht sogar ein Schloss. Der Komplex entstand um 1800, das Kavaliershaus diente dem Grafen Ludwig von Blücher als Wohnhaus, bis das Schloss fertig war. Die Familie der Blüchers lebte dort bis 1945, das Gut wurde aber schon in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts aufgelöst. Bauern zogen nach Fincken, und das Kavaliershaus wurde zur Dorfschule umgebaut. Nach deren Schließung 1996 gab es noch allerhand Zwischennutzungen, Feuerwehr, Gemeindebüro, Jugendklub, dann baute sich die Gemeinde eine historische Rundscheune zum Ortszentrum um, und das Haus lag brach. Bis die Nalbachs kamen und bei der telefonischen Auktion den Zuschlag erhielten.

Klar, dass spezialisierte Hotelarchitekten hier keinen Zugang hatten. Die neue Einrichtung ist schlicht, in den Zimmern nahezu puristisch, viel Holz mit klaren Farbflächen akzentuiert, ein wichtiges Kennzeichen sind die markanten Holztreppen in den Suiten. Jede Suite steht für eine andere Idee, jede hat eine andere Farbstimmung, es gibt knallig rote Récamieren, weiße Paravents und poliertes Holz.

Alle Räume sind zwischen 25 und 120 Quadratmetern groß, haben teilweise Schlafgalerien und Kochgelegenheiten für Selbstversorger, denn im Haus selbst gibt es nur Frühstück und ein paar Kleinigkeiten aus der beachtlichen Küche des Seehotels am Neuklostersee. Der Frühstücksraum ist als ehemaliges Schulzimmer erkennbar, und ein ganzer Schwarm von Vögeln aus Holz, Gips oder Stoff stiftet im Sommer die augenzwinkernde Verbindung zu lebendigen Störchen und Reihern draußen vor den Fenstern.

Wer abends ein Getränk sucht, nimmt es sich aus dem Kühlschrank und setzt einen Strich auf die Liste. Der Dorfgasthof ist aber nicht weit, zudem gibt es einen mobilen Händler, der werktags an der großen Linde seinen Wagen öffnet. Im Untergeschoss befindet sich eine Sauna, nebenan steht eine kleine Veranstaltungsscheune, perfekt zum Heiraten; die Kirche steht gleich nebenan.

Was kann der Gast außerdem tun? Er kann wandern, radeln, baden, in Fleesensee, 25 Kilometer entfernt, Golf spielen oder den „Festspielen Mecklenburg-Vorpommern“ nachreisen, die inzwischen auch hier in der Kirche Station machen. Oder er verhält sich einfach ganz ruhig, liest, blickt aus dem Fenster in die Natur oder läuft durch den großen Park. Drei der zahlreichen Bäume sind Naturdenkmäler, eine Zerreiche, eine Platane und eine mexikanische Spitzblattbuche, eine große Rarität. Weiter drunten beginnt der See, den der Hotelgast hier ganz für sich hat.

Das Schloss nebenan liegt derweil im Dornröschenschlaf. Es gehört angeblich einem türkischen Eigner, dessen Pläne aber nicht bekannt sind. Johanne Nalbach winkt ab: so weit reicht ihr Mitleid mit Gebäuden dann doch wieder nicht.

Kavaliershaus Suitehotel am Finckener See, Hofstraße 12, 17209 Fincken, Telefon: 03 99 22 / 82 70 0, Internet: kavaliershausfinckenersee.de, Doppelzimmer/Suiten 75/180 Euro

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