Reise : Land des Vielleicht

Das unwägbare Wetter macht die Färöer spannend.

Foto: M.Buschmann
Foto: M.Buschmann

Dass sie Fußball spielen können, haben die Färinger erst jüngst unter Beweis gestellt, als sie der deutschen Nationalmannschaft das Toreschießen schwer machten. Dass sie friedlich zu feiern verstehen, konnten die sympathischen Fans zeigen, die aus dem hohen Norden mit ihrem Team nach Hannover gereist waren. Dass die Färöer, die sogenannten Schafsinseln, nun verstärkt auch auf der touristischen Landkarte zu erkennen sein wollen, dafür wollen nun endlich die Verantwortlichen im Land sorgen.

Irgendwie ist das Grüppchen der 18 Inseln auf halbem Weg zwischen Norwegen und Island im Nordatlantik schon ein Kuriosum. Dank des Golfstroms herrscht ein mildes Klima, besser: ein relativ mildes Klima: Im Sommer klettert die Quecksilbersäule durchschnittlich auf zwölf Grad, fällt im Winter jedoch selten unter die 3,5-Grad-Marke. Es regne an 270 Tagen im Jahr, die Landschaft sei auf „das Wesentliche reduziert“, berichten Oft-Besucher durchaus begeistert. Und eine Expertengruppe der National Geographic Society urteilte vor kurzem: „Prachtvolle, eiszeitlich überformte Landschaft mit unglaublich steilen Hängen. Nur wenig flaches Land. Einheitliche einheimische Gesellschaft, entschieden färöisch, nicht dänisch, mit eigener Sprache. Eigenständige Baukultur bis hin zu den Grasdächern, mit Bedacht bewahrt und geschützt.“ Die wenigen Touristen gelten als ausgesprochen naturverbunden und überdurchschnittlich gut gebildet.

Doch was macht ein Tourist im „Land des Vielleicht“? Schließlich kann er nie sicher sein, wie sich sein Tag gestalten lässt. Vielleicht pfeift der Wind so stark, dass man keinen Fuß vor die Tür setzen kann. Vielleicht herrscht dichter Nebel, der Wanderungen riskant erscheinen lässt. Vielleicht lockt aber auch heller Sonnenschein und ein Besuch der vermutlich größten Basstölpelkolonie der Welt ist möglich, oder die Stars der Insel, die Papageientaucher, sind in schönstem Licht zu bewundern. Ein Element liefert die Natur allerdings zuverlässig Tag für Tag: extrem saubere Luft.

Es kommen jedoch nicht nur ausgemachte Naturfreunde auf die Färöer, die seit 1948 mit eigener Regierung und Verwaltung selbstständiges Mitglied des dänischen Reichsverbandes sind. In das Nicht-EU-Land streben auch Kulturbeflissene, die vor allem die Musikszene der Inseln zu schätzen wissen. Abgesehen von traditionellen Volksliedern, die mit Hingabe gepflegt werden, hat sich eine Musikrichtung entwickelt, die als „Viking-Metal“ die skandinavische Dunkelheit und die Unbarmherzigkeit der täglich erlebten Natur widerspiegelt.

Glück und Fluch in einem sind die Anreisewege, auf denen der Rest der Welt zu den Färöern finden kann. Wer kein Problem hat, bereits den Weg in den Urlaubsgenuss einzubeziehen, wird die Fähre nehmen wollen. Zwei Mal wöchentlich legt die färöische Reederei Smyril Line im dänischen Hirtshals ab. Die Fahrt ähnelt einer kleinen Kreuzfahrt, dauert sie doch 29 Stunden. Wer das zwischen dem 29. September und 20. Oktober erleben möchte, kann ein „Herbst-Spezial“ buchen. Im Preis von 319 Euro pro Person sind neben der Fährfahrt in einer Doppelkabine auch die Mitnahme eines Pkw sowie drei Hotelübernachtungen in der Hauptstadt Torshavn enthalten (Internet: smyrilline.de). Etwas rascher geht es schon mit Atlantic Airways, der Fluggesellschaft des Inselreichs. Die Anbindung über Kopenhagen ist gut, der Flug dauert ab Berlin-Tegel rund fünf Stunden (SAS bis Kopenhagen, weiter mit Atlantic, Ende September knapp 700 Euro). gws

Mehr im Internet unter:

visitfaroeislands.com

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