Langzeiturlauber : Ein Platz in der Sonne

Wer keine Graupelschauer mag, fliegt gen Süden. Die Angebote für Langzeiturlauber sind verlockend.

Andreas Heimann[dpa]

Der Blick aus dem Fenster an kaltfeuchten Herbsttagen lässt viele schnell an Urlaub denken. Für die meisten läuft es auf maximal zwei Wochen in der Sonne hinaus. Andere mit dem nötigen Kleingeld haben längst vorgesorgt und sich ein Ferienhaus an der Algarve oder auf Gran Canaria gesichert. Als dritte Gruppe haben sich die Langzeiturlauber etabliert, die zwar kein eigenes Häuschen im Süden haben, aber auch keine Lust auf Graupelschauer und Schneeregen. Die Winterflüchtlinge packen rechtzeitig die Koffer und bleiben nach dem Motto „Wenn schon, denn schon“ gleich vier, sechs, acht Wochen oder noch länger in der Sonne.

 „Immer flexiblere Produkte im Tourismus machen es leichter, das Passende für den Langzeiturlaub zu finden“, sagt Professor Martin Lohmann. „Aus den einzelnen Bausteinen kann man sich Flüge und Hotels problemlos selbst zusammenstellen“, so der Tourismusforscher aus Kiel. Bei den etwas Älteren über 60 Jahren ist das Interesse am ausgeprägtesten: „Mehr Sonne ist bei allen das Hauptmotiv.“ Ziele rund ums Mittelmeer sind entsprechend gefragt.

 Spanien bietet sich dafür an. „Langzeiturlauber können aber zum Beispiel auch nach Tunesien fliegen“, sagt Lohmann. „Das ist noch günstiger, kulturell aber nicht so nah.“ Das Gleiche gilt in noch höherem Maße zum Beispiel für Länder in Asien wie Thailand oder Kambodscha. In der Regel sind aber die Ziele auf der Mittelstrecke besonders gefragt, so die Erfahrung von Reiseveranstaltern wie Dertour: „Dazu gehören zum Beispiel Mallorca, die Kanaren, Madeira, Malta und Zypern“, sagt Andrea Probst, Sprecherin des Veranstalters in Frankfurt am Main.

 „Angebote für Langzeiturlauber gibt es bei vielen Veranstaltern“, ergänzt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV) in Berlin.

Was als Langzeiturlaub gilt, sei allerdings Definitionssache: Bei den einen fange er bei vier Wochen an, bei anderen erst bei sechs. Nach der Auswertung ihrer Gästedaten verreisen bei Tui 66 Prozent der Langzeiturlauber für vier Wochen und 27 Prozent für sechs Wochen.

Oft gebe es für solche Zeiträume dann Preisvorteile, sagt Schäfer.    Das gilt zum Beispiel für den aktuellen Dertour-Winterkatalog für die Mittelmeerregion. Mal sind es nur 10, mal sogar 23 Prozent. Bei einem Vier- Sterne-Hotel auf Zypern kommen Langzeiturlauber damit auf 16 Euro pro Nacht mit Frühstück – unerschwinglich ist der Langzeiturlaub in der Sonne also nicht.

 Die Auswahlmöglichkeiten haben zugenommen: „Am Anfang war das nur auf den Kanaren ein Thema“, sagt Anette Forré, Sprecherin der Rewe-Pauschaltouristik in Köln. „Inzwischen gibt es das bei uns im Katalog auch für etliche Länder rund ums Mittelmeer.“ So bieten sämtliche Hotels in der Türkei und Tunesien Langzeiturlaub an.

Ähnlich ist der Trend beim Marktführer: „Wir haben das Angebot für Langzeiturlauber zu diesem Winter deutlich ausgeweitet“, sagt Anja Braun von der Tui in Hannover.

   Auch Tui gibt Sonderkonditionen für Kunden, die länger verreisen: In der Regel gelten die Langzeitpreise für Urlaub ab vier Wochen. Solche „Sonderangebote“ gibt es allein auf Mallorca in 26 Hotels, in 18 auf Zypern und in 10 in Portugal. An Bedeutung gewonnen hat nach Angaben der Tui-Sprecherin vor allem die Türkei, nicht zuletzt wegen des günstigen Preis-Leistungs-Verhältnisses. Gleiches gilt auch für Ägypten, das allerdings mit Blick auf die Buchungszahlen noch nicht die gleiche Rolle spielt.

   Dass Langzeiturlauber vor allem Sonne tanken wollen, zeigt sich aber nicht nur an den Zielen. Auch die bevorzugten Reisemonate geben ein klares Bild: Nach den Daten von Tui ist es der Zeitraum von November bis Februar. Das bestätigen auch die Erfahrungen beim zweitgrößten deutschen Veranstalter Neckermann: Langzeiturlaub ist vor allem ein Winterphänomen. Gefragt sind nach Angaben des Veranstalters in Oberursel (Hessen) an erster Stelle Gran Canaria und Mallorca, gefolgt von Lanzarote und der Algarve. Aber auch die Türkei spielt eine wichtige Rolle: In gut der Hälfte der 23 Hotels im Neckermann-Katalog ist Langzeiturlaub möglich.

Auch in manchen Fernreisezielen wie Thailand oder Kenia bleiben Urlauber zum Teil länger als vier Wochen – gemessen an den Touristenzahlen insgesamt seien das allerdings nur wenige. Vor allem auf den Kanaren, auf Mallorca und in Tunesien sei die Zahl der Langzeiturlauber dagegen in jüngster Zeit noch gestiegen. Am gefragtesten ist das Überwintern im Süden auch bei Neckermann in der Gruppe „60 plus“. Auf Mallorca kosten zwölf Wochen in einem „Club Vital Hotel“ im Doppelzimmer mit Halbpension gut 3000 Euro. Das rechnet sich für viele Winterinsulaner.

 Viele Hotels schätzen Langzeiturlauber und umwerben sie.   Für die Hoteliers sind Langzeiturlauber eine attraktive Klientel – weil sie nicht nur zur Hochsaison kommen, sondern auch in den schwach gebuchten Wochen außerhalb der Ferien und Feiertage. Aber auch, weil sie die Kalkulation einfacher machen: „Hotels freuen sich natürlich über Gäste, die acht Wochen am Stück buchen“, sagt Professor Martin Lohmann.

So viel Zeit hat zugegebenermaßen nicht jeder. Auf die Frage, ob sie in den zurückliegenden drei Jahren ein- oder mehrmals länger als sechs Wochen Urlaub gemacht haben, antworteten in den Befragungen zur jährlichen „Reiseanalyse“ nur zwei Prozent (1,3 Millionen Personen) mit „Ja“. Immerhin sieben Prozent gaben an, sich das für die Zukunft vorstellen zu können.

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