Reise : Lehrstunden beim Sternekoch

Themenkreuzfahrten auf Flüssen und hoher See liegen voll im Trend

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Die gute alte Kreuzfahrt weilt schon lange nicht mehr unter uns. Sie ist eigentlich mausetot. Und kaum einer wird den Zeiten nachtrauern, als sehr gesetzt wirkende, wohlsituierte Herrschaften paarweise mit großem Gepäck an Bord kamen, um in „guter Gesellschaft“ eine Seereise zu machen und in den Häfen dieser Welt mal mehr, mal weniger fremdartige Menschen mit ihren zum Teil exotisch anmutenden Sitten und Bräuchen zu bestaunen. Die Erfahrungen des Tages wurden dann abends in Smoking und festlichem Kleid bei einem gesetzten Dinner ernsthaft diskutiert oder durchgehechelt, je nach intellektuellem Grad, der bekanntlich nicht in Zusammenhang mit der Brieftasche steht. Nach dem Essen spielte schließlich eine Kapelle gefällig auf, gern auch zum Tanz – und nach Mitternachtsbüfett und Schlummertrunk zogen sich die Gäste auf ihre Kabinen zurück. Das war einmal. Heute müssen sich die Reedereien da schon mehr einfallen lassen, um immer mehr Kabinen auf immer zahlreicher und größer werdenden Schiffen zu füllen. Und an Ideen mangelt es allem Anschein nicht.

Themenkreuzfahrten zum Beispiel sind sowohl auf Flüssen als auch auf hoher See ein Trend, der in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat. Das hat Vorteile für alle Beteiligten: Die Reederei kann gezielt eine bestimmte Kundschaft ansprechen, der potenzielle Kreuzfahrer seinerseits weiß nicht nur genau, was ihn erwartet, sondern er kann auch sehr gut abschätzen, in welcher Gesellschaft er unterwegs sein wird. Ein Vorteil, der nicht zu unterschätzen ist – zumal auf nicht ganz so großen Schiffen, die sich besonders für Themenreisen anbieten.

An Interessensfeldern der Kunden mangelt es nicht, und erstaunlich viele Themen lassen sich auch gut mit einer Reise zu Wasser kombinieren, in den meisten Fällen sowohl an Bord als auch an Land. Und den meisten Reedern/Veranstaltern gelingt es durchaus überzeugend, interessante Programme für eine in sich homogene Zielgruppe zu gestalten.

Beispiel Musik. Als Vorreiter bei Themenreisen für ein anspruchsvolles Musikpublikum darf Hapag-Lloyd gelten. Das Flaggschiff „Europa“ brachte schon nahezu komplette Philharmonieorchester an Bord, die dann etwa auch im Amphitheater von Ephesos für die Kreuzfahrtgäste spielten. Aktuell bieten die Hamburger auf ihren Schiffen „Columbus 2“ und „Europa“ für das kommende Jahr 14 verschiedene Musikreisen an, mit Schwerpunkten von Oper und Klassik über Swing, Soul und Jazz bis hin zu Pop. Zu den musikalischen Höhepunkten auf der mehr auf Klassik ausgerichteten „Europa“ zählt der Stella Maris Gesangswettbewerb, bei dem sich talentierte Nachwuchssänger renommierter Opernhäuser wie der Metropolitan Opera New York, dem Royal Opera House London und der Semper Oper Dresden dem Urteil einer hochkarätigen Jury unter der künstlerischen Leitung des Tenors und Kammersängers Michael Schade stellen.

Die Erfahrung von Tui Cruises mit dem „Rockliner“, den Udo Lindenberg im vergangenen Jahr mit seinen Fans zum Kochen brachte, war so überwältigend gut, dass Wiederholungen oder ähnliche Reisen wahrscheinlich sind. Doch die Reeder mit ihren beiden Dampfern „Mein Schiff 1“ und „Mein Schiff 2“ schielen nicht nur auf Rock- oder Schlagerpublikum, sondern auch auf – möglicherweise zahlungskräftigere – Klassikfreunde. So steht beispielsweise im kommenden Juli eine Fahrt mit den Wiener Philharmonikern auf dem Kreuzfahrtplan, mit drei großen Galakonzerten in Istanbul, Kusadasi und Athen.

Dass an Bord von Kreuzfahrtschiffen heute nicht nur reichlich gegessen, sondern auch exquisit gespeist werden kann, ist kein Geheimnis. Das Schwelgen in kulinarischen Genüssen ist längst Bestandteil einer Schiffsreise. Doch auch das lässt sich noch steigern. Längst einen guten Ruf hat sich Arosa mit „Gourmet“- Kreuzfahrten auf ihren Flussschiffen erworben. Hobbyköche, die gern selbst Hand anlegen, oder auch nur Genießer weit oberhalb der Armutsgrenze, die sich von Sterneköchen nach allen Regeln der Kunst kulinarisch verwöhnen und auch immer gern ein wenig bauchpinseln lassen, sind hier das Zielpublikum.

Die Palette der Angebote – von Golf- über Garten-, Rad- und Reitreisen bis zu Astronomie- und Adventskreuzfahrten – ist so groß, dass alle, die einem Hobby frönen oder ihren Wissensdurst stillen und gleichzeitig andere Länder sehen möchten, sich am besten im Reisebüro beraten lassen. Gerd W. Seidemann

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