Lesen & Reisen : 1000 Orte, die man knicken kann

In seinem Buch "1000 Orte, die man knicken kann", lässt sich Autor Dietmar Bittrich vor allem über jene Ziele aus, die viele liebend gern besuchen würden.

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Wer kein Geld oder keine Zeit zum Verreisen hat, muss nicht traurig werden. Ein Buch spendet Trost. „1000 Orte, die man knicken kann“, heißt es, und darin macht Autor Dietmar Bittrich vor allem jene Ziele nieder, die viele liebend gern besuchen würden. Paris, zum Beispiel. Denn dort spaziert der Reisende dann über die Champs-Elysées und wundert sich: „Frittenbuden, Planet Hollywood, McDonald’s, Löwenbräukeller, grottige Straßencafés und Filialen der abgenudeltsten Modeketten säumen das, was Uneingeweihte für eine Prachtstraße hielten.“ Wer sich in die lange Schlange vorm Eiffelturm einreiht, sieht später auf der Plattform in 300 Meter Höhe nichts: Die Scheiben sind schmutzig, und überdies liegt eine „grauorangene Feinstaubschicht über der Stadt“. In seiner Litanei zitiert Bittrich den Chansonnier Serge Gainsbourg, der sagte: „Nachdem Frankreichs Status als Grande Nation verloren gegangen ist, bleibt Paris doch immer noch eine Weltmetropole: die universale Hauptstadt der Hundescheiße.“ In Kopenhagen macht der Autor „trübe Gassen, ein schales Museum für moderne Kunst (Louisiana) und ein dumpfes Schloss (Rosenborg) als Gerümpelmuseum“ aus. Während andere beim Wort Kappadokien ins Schwärmen geraten, stellt der Autor hier eine Liste der „staubigsten Denkmäler“ zusammen. Süffisant zitiert er den Staatsgründer Atatürk, der gesagt haben soll: „Ohne Kappadokien könnte die Türkei schon sehr weit sein.“ Einfach alles wird entzaubert: die Seidenstraße, „nur eine staubige Piste durch salzige Wüsten“. Die Chinesische Mauer: „das Gehen auf der Mauer ist in jedem Fall mühsam, an ebenen Abschnitten wegen des Gedränges, an steilen wegen des alpinen Gefälles“. Die Seychellen: „Als wesentliche Vorzüge gelten die ungefilterte UV-Strahlung, die hohe Luftfeuchtigkeit und der unvergleichliche Artenreichtum an Mücken.“

Alles, aber auch alles bürstet der Autor nieder. Das liest sich anfangs amüsant, wird aber schnell langweilig. Vielleicht, weil das Buch anachronistisch ist. Die Zeit, als Touristen nur die ausgewiesenen Attraktionen einer Metropole anschauen wollten, ist lange vorbei. Zum Beispiel Prag: Pfiffige Besucher entdecken die Stadt auf alternative Art. Das heißt: Karlsbrücke im Morgengrauen, Kunst-Spaziergänge in ehemaligen Fabriken, Einkehr im Studentenviertel.

8, 95 Euro kostet das bemüht lustige Buch. Für das Geld sollte man sich lieber ein Fahrrad mieten – und losfahren. Eine Tagesreise tröstet auch, wenn alle anderen in Urlaub sind.

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