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Reisebücher & Reiseführer

Wolfgang Schmidt



— Peter Oliver Loew:

Danzig. Literarischer Reiseführer. Verlag Kulturforum östliches Europa, Januar 2010. 407 Seiten, zahlreiche S/W- und farbige Abbildungen sowie Pläne, 19,80 Euro

Danziger Stadtansichten

Peter Oliver Loew vom Deutschen Polen-Institut in Darmstadt hat über Danziger kulturelle Entwicklungen bereits vielfach akademisch publiziert. Eher praktischen Nutzen hat nun der von ihm veröffentlichte „Literarische Reiseführer Danzig“. Dieser Stadtführer, 400 Seiten dick und maßvoll illustriert, wird wohl auf absehbare Zeit das Standardwerk für die historisch-literarische Erkundung der Stadt durch anspruchsvolle Besucher bleiben.

Erfreulich ist die Vielzahl der hier versammelten – nicht immer literarischen – meist deutschen und polnischen Stimmen zu Danzig, von der Barockzeit bis heute. Die von Loew ausgewählten Beispiele zeigen, dass sich in Danzig nach 1980 eine polnische Literatur vor allem durch die intellektuelle Auseinandersetzung mit der deutschen (kulturellen) Tradition der Stadt etabliert hat. Dem Leser diese historisch-literarische Aufnahme und Integration des „Fremden“ in das eigene, polnische kulturelle Selbstverständnis aufzuzeigen, ist ein großer Vorzug dieses Buches.

Der Autor besitzt das Talent, den Leser im Wortsinne ansprechend mitzunehmen. Man glaubt, ihn persönlich zu begleiten, sein Blick auf und in Danziger Häuser wird zu unserem, visuell und historisch öffnen sich so noch nicht gesehene oder verstandene Perspektiven. Wolfgang Schmidt

Zu Gast im Urwald

Indonesien ist ein Land mit 250 Sprachen. Nicht Dialekte, sondern eigenständige Sprachen. Sie werden auf rund 1000 Inseln gesprochen. Auf den meisten davon herrscht das mündliche Erzählen vor. „Reise nach Indonesien“ nimmt Ereignisse in den Blick, die in Sumatra, Java und Borneo erlebt und zu Literatur geformt wurden. Das Ergebnis ist überaus lesenswert und vereint die Stars der indonesischen Literaturszene, darunter Pramudya Ananta Toer, der einst als Anwärter für den Literaturnobelpreis gehandelt wurde. Auch Hermann Hesse begegnet man im Buch. Der Steppenwolf-Verfasser ist in Indonesien keine Berühmtheit, aber er hat über das Land geschrieben, und mit seiner Außensicht auf Sumatra startet der Geschichtenband aus dem Unionsverlag. In der Geschichte „Zu Gast im Urwald“ nimmt der Deutsche viele Strapazen auf sich und erliegt der Faszination des Klimas und der Menschen.

Im Ton mal dramatisch, mal berichtend, mal belustigt, mal melancholisch schreiben die Autoren Geschichten aus der Revolutionszeit, von Geldabwertung und Wilderei, von Korruption und Heirat. Kurz: Wer sich gut unterhalten lassen und mit einem besseren Verständnis für Land und Leute nach Südostasien fahren möchte, dem sei dieser Band empfohlen. Die Fakten kann man getrost seinem Reiseführer entnehmen. Uwe Schick







— Lucien Leitess (Herausgeber):
Reise nach Indonesien, Geschichten fürs Handgepäck. Unionsverlag, Zürich 2010. 200 Seiten, 10,90 Euro

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