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Verblüffende Eilande

Na, das ist doch mal ein Buch für fernwehgeplagte Naturen. Der Einstieg des Autorenpaars, das sich sonst eher mit Themen aus der Chemie und Physik befasst, ist bereits fulminant. Bei dem Anliegen, dem Leser die „40 kuriosesten Inseln“ zu präsentieren, stellen Gabi und Rolf Froböse zuerst die Antipoden-Insel vor. Das Fleckchen Erde, das am weitesten von uns Mitteleuropäern entfernt liegt, nämlich rund 20 000 Kilometer Luftlinie. Man erreicht es auch, wenn man sich alternativ bei Cherbourg in Nordfrankreich 12 740 Kilometer senkrecht durch die Erdkugel bohrt.

Von der Britischen Marine im Jahr 1800 entdeckt, ist Antipode Island südöstlich von Neuseeland ein zwar etwas unwirtliches, jedoch wirklich kurioses Eiland. Die einzigartige Fauna in der kargen Graslandschaft (hier überleben endemische Arten wie der Einfarblaufsittich oder der Antipodeninselpieper, von denen wir noch nie gehört haben) hat die neuseeländische Regierung dazu veranlasst, das Betreten dieses Unesco-Weltnaturerbes zu verbieten. Einen Reiseplan kann der elektrisierte Leser also gleich mal fallen lassen. Zum Trost berichten die Autoren, dass es ohnehin ausgesprochen ungemütlich auf der Insel zugeht. Kälte, Wind – die Eismassen der Antarktis schicken ihre Grüße. Außerdem beschere Google Earth eine „erfreulich hohe Auflösung“ und der virtuelle Besucher könne aus rund 1000 Meter Höhe einen prächtigen Eindruck der Antipoden gewinnen.

Gereist sind die Autoren für die Recherche an ihrem Buch übrigens nicht. „Zu aufwendig, zu teuer“ für so ein Spaßbuch. Doch die beiden Wissenschaftsautoren haben allem Anschein nach akribisch recherchiert und sich mittels der (kostenlosen) Software Google Earth auf ihrem Computer auch einen visuellen Eindruck von ihren Zielen verschafft.

Zugegeben, nicht jede im Buch beschriebene Insel ist so kurios, wie der Titel unterstellt. Falkland-Inseln, gewiss: abgelegen, unwirtlich und einst heiß umkämpft. Aber kurios? Oder warum die Azoren-Insel Flores Erwähnung findet, erschließt sich nicht so recht. Gleichwohl: Die meisten „Ziele“ lösen schon einen Aha-Effekt beim Leser aus. Mancher Hinweis ist auch richtig nützlich, weil die Eilande erreichbar sind und als reale Urlaubsorte in Betracht kommen. Wie etwa Valentia Island vor der Küste Südirlands. Wer erwartet hier schon eine subtropische Pflanzenwelt?

Da lässt man doch die „Insel der Wiedergeburt“ im Aralsee, wo die Sowjets einst biologische Waffen testeten und wo die Gefahr von Milzbrand bis heute groß ist, gern links liegen. Oder die McDonald-Insel vor Australien, wo es nicht mal einen Hamburger zu kaufen gibt, obwohl sie relativ gut erreichbar ist.

Auch Anreisemöglichkeiten zeigen die Autoren auf. Also: Wer unbedingt Antipode Island real aus der Nähe betrachten möchte, kann in Neuseeland entsprechende Arrangements treffen. Die 500 Seemeilen lange Reise setzt allerdings wegen der rauen Gewässer eine gute Portion Seetüchtigkeit voraus, warnen die Froböses. Da überlegt man sich das mit der Bohrung bei Cherbourg vielleicht doch noch mal. Oder begnügt sich mit dem Herunterladen von Google Earth auf den heimischen Computer beziehungsweise man nimmt Vorlieb mit der vergnüglichen und lehrreichen Lektüre dieses im Selbstverlag erschienenen Büchleins. gws

Gabi und Rolf Froböse: Die 40 kuriosesten Inseln – Der erste Crazy Travellers’ Tourist Guide. Verlegt bei Books on Demand, Norderstedt 2010, Paperback, 116 Seiten, 13,90 Euro

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