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Poeten an der Elbe

Fast 1100 Kilometer legt die Elbe zurück, vom Riesengebirge bis zur Nordsee. Und wo kommt der Fluss überall vorbei: an böhmischen Dörfern, an Dresden und Meißen, an Magdeburg und Tangermünde und natürlich an Hamburg. In all diesen Orten haben über die Jahrhunderte hinweg mal Dichter und Autoren gestanden und über die „Gräfin Elbe“ (Paul Keller) philosophiert. Einiges von dem, was publiziert wurde, hat Ansgar Bach nun für seinen literarischen Reiseführer zusammengetragen.

Der Reporter Egon Erwin Kisch war gar auf einem Floß auf dem Strom unterwegs. Eine abenteuerliche Fahrt. „Pivo, pivo “, ruft der alte, durstige Flößer und später – auf deutscher Seite – „Bier“. Doch wenn der Gastwirt mit seinem Kahn und den vollen Krügen die Mitte der Elbe erreicht hat, ist das Floß schon längst vorbeigeglitten.

Viele Poeten schauen lieber vom Land aus auf den Fluss. Schiller zum Beispiel, der die Gegend bei Dresden preist: „Alles hier herum wimmelt von Weinbergen, Landhäußchen und Gärten.“ Etliche der literarischen Zeugnisse sind jahrhundertealt – und manche fast druckfrisch. Thomas Rosenlöcher (geboren 1947) beobachtet Mitreisende auf einem Raddampfer, der in Meißen gestartet ist. Ältere Menschen zumeist, mit Kniebundhosen und Windjacken. Diese Kluft, so schreibt der Autor, gibt „vor allem den Männern etwas Erforscherisches“.

Lieblich, nein lieblich ist die Elbe nicht. Wolfgang Borchert charakterisiert sie in Hamburg so: „Stadtstinkende, kaiklatschende, schilfschaukelnde, sandsabbelnde, möwenmützige graugrüne große gute Elbe.“

Mehr als für den Fluss interessieren sich die Schriftsteller oft für die Orte, die ihn säumen.Und nicht immer preisen sie diese. Casanova verzichtete angesichts von Magdeburg auf jedwedes Gelage und schrieb: „Vermehrte meine Barschaft in bescheidener Weise, indem ich mich rechtschaffen mäßigte.“

Wer eine Reise auf oder an der Elbe plant, ist mit diesem Buch im Gepäck gut bedient. Und hat aufgrund der literarischen Appetithappen vielleicht Lust, von dem einen oder anderen Autor mehr zu lesen. Hella Kaiser

— Ansgar Bach (Herausgeber): Die Elbe, ein literarischer Reiseführer. Verlag Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 2010, 131 Seiten, 19,90 Euro

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