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Betrachtungen zu Griechenland

Martin Pristl: Gebrauchsanweisung für Griechenland. Piper Verlag, München 2010, 201 Seiten, 14,95 Euro

Patrick Leigh Fermor: Mani. Reisen auf der südlichen Peloponnes. Aus dem Englischen von M. Allié und G. Kempf-Allié. Dörlemann Verlag, Zürich 2010, 480 Seiten, 24,90 Euro

Anfangs ist der Leser sehr angetan von dieser „Gebrauchsanweisung für Griechenland“. Die Lektüre ist kurzweilig, sie macht Spaß und informiert auf leichte Art. Martin Pristl streift ein paar Sehenswürdigkeiten, interessiert sich aber mehr für die Atmosphäre und den Geist eines Landes, das bisher immer erst am Abgrund wankend seine wahre Größe entfaltete. Der Autor zeigt ein „Griechenland im Umbruch“, in dem Traditionen und Gewohnheiten allmählich über Bord geworfen werden; er streut vereinzelt eigene Erfahrungen ein, spricht unverblümt von der „Ware Tourist“, gibt ein paar ernst gemeinte Reiseratschläge. Mit der Zeit aber ödet der gleichförmige Singsang des Autors an. Martin Pristl ist ein Autor, der jeder Pointe hinterherläuft. Auf Dauer wirken seine spöttischen Betrachtungen zwanghaft und oberflächlich.

Ganz anders hingegen ein Klassiker der Reiseliteratur von 1958, der in neuer, sehr schöner Ausstattung erschienen ist. Der Engländer Patrick Leigh Fermor, der heute noch hochbetagt auf dem Festland in Griechenland wohnt, wanderte als 37-Jähriger bis an den südlichsten Zipfel der Peloponnes und verfasste darüber so poetische wie gebildete Reisebetrachtungen der besonderen Art. „Meine Streifzüge durch Griechenland“, schrieb Fermor, „gelten den entlegensten Landstrichen, denn dort findet man, wonach ich suche.“ Vom „Wandel und Verfall“ ist die Rede, von bösen Bergen und üblen Ratgebern, vom „Matriarchat am Meer“, von kurzen Sommernächten, dunklen Türmen und kriegerischen Aristokraten. Eine anregende Lektüre für Romantiker und Wissbegierige. Stefan Berkholz

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