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Martin Zähringer

Grünes Grönland

So umstritten der Klimawandel auch ist, in der Arktis spürt man ihn. Die Inuit haben bereits Probleme mit der Jagd auf dem dünner werdenden Eis. Beim Knesebeck-Verlag ist ein Bildband über die bedrohte Jägerkultur der Inuit erschienen. Der isländische Fotograf Ragnar Axelsson hat grönländische Jäger im Nordosten des Landes in den vergangenen 25 Jahren regelmäßig besucht und auf ihren Jagdreisen begleitet. Die Bildserien erscheinen in drei großen Themenkomplexen: das Leben im Dorf, die Jagd und die Natur, vor allem das Eis.

So wird der Band mit doppelseitigen Gletscher- und Eispanoramen in Farbe eröffnet, doch bald sieht man das erste Jägerporträt. Ein Kusuluk-Jäger hält zwei neugeborene Hundewelpen in den Händen, tritt aber nicht im traditionellen Eisbärfell auf, sondern im signalroten Parka. Der kanadische Anthropologe Mark Nutall stellt in seinen Begleittexten die arktische Kultur aus der Sicht der Inuit dar. Und wo die Inuit-Kultur sich früher noch relativ gut behaupten konnte, da findet der Anthropologe im Klimawandel einen globalen und unausweichlichen Einfluss. Und auch globalisierte Strategien: „In Grönland nimmt man die Position ein, dass der Klimawandel nun einmal geschehe und dass Grönland dadurch wärmer und grüner werde.“ „Grönland wird grün“ ist die Parole für diesen Pioniergeist. Sie kommt von der Westküste mit ihrem politischen Zentrum Nuuk und ist leider nicht mit der politischen Farbe Grün konnotiert. Es geht vor allem um die Ausbeutung von Rohstoffen, wovon die Ostgrönländer in ihren Dörfern nicht viel haben.

Ragnar Axelsson hat sie in ihrem Beharren auf dem traditionellen Lebensstil fotografisch begleitet. Romantisch ist das nicht, denn die Jagd ist ein blutiges Geschäft. Die Robben bilden einen Hauptbestandteil der Ernährung und kommen auf diesen Bildern nur als Beute vor. Und selbst der Eisbär, Symbol und Star der Arktisfotografie, entkommt der Kugel nicht. Das ist der Realismus der Jägerkultur. Doch bei aller Drastik des Geschehens wird deutlich, dass diese Jäger keine feindlichen Eindringlinge sind. Sie erscheinen als Teil ihrer Landschaft, selbst wenn der Fotograf sie ganz groß ins Bild bringt. Martin Zähringer





— Ragna
r Axelsson (Fotos), Mark Nutall (Text): Die letzten Jäger der Arktis. Aus dem Englischen von Reinhard Pietsch. Knesebeck Verlag 2010, 271 Seiten, 49,90 Euro

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