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— Wassilis Dornakis/ Ursula Spindler-Niros:

Der griechische Stuhl. Kleine Kulturgeschichte des Sitzens. Szenen einer Partnerschaft. Verlag der Griechenland Zeitung, Athen 2010. 120 Seiten, 19,80 Euro

Feuilletons aus Griechenland

Wer hat sich in Griechenland noch nicht über diese ewig knubbelnden, höchst unbequemen, aber traditionell unschlagbaren Kaffeehausstühle geärgert und halb lahm gesessen? Grobes Holzgestell und Bastgeflecht unter dem Hintern, das geht ja noch. Auf der Rückseite der Oberschenkel aber drücken im Allgemeinen die herausragenden vorderen Stuhlbeine dermaßen, dass der Ischiasnerv jubiliert.

Nun lernen wir in einem luftig und hübsch gestalteten Bilderlesebuch, wie man mit diesem Stuhl umzugehen hat. Man hat ihn nicht im herkömmlichen Stil zu nutzen, sondern selbstverständlich diagonal zu platzieren. So gelangt ein herausragendes Stuhlbein zwischen die Beine des Benutzers und prompt knubbelt nichts mehr. Und außerdem steht die Lehne nun so, dass man sich leicht darauf aufstützen kann, will man aufstehen und den Ort des Verweilens verlassen. Darauf muss man erst mal kommen.

Zudem erfahren wir, dass der „typische“ Grieche gewöhnlich gern mehrere dieser Stühle zugleich um sich schart: Auf einem sitzt er, auf einen zweiten legt er Jacke oder Hut, auf einem dritten stellt er einen Fuß auf die Querstrebe, auf die Lehne des vierten stützt er seine Arme auf, um bequem ins Dorf zu gucken. So also hat man sich mit diesem einfachen und rohen Gestell anzufreunden. Zu den rund siebzig realistischen Aquarellen von Wassilis Dornakis hat die Journalistin Ursula Spindler-Niros kleine Feuilletons und Plaudereien verfasst. Manches Mal klingen die etwas erzwungen und verstiegen, andere Male aber unterhaltsam und (in Maßen) auch lehrreich. Eine Spielerei zum Betrachten und Träumen.

Sehr liebevoll gestaltet ist auch das zweite Buch aus dem Verlag der deutschsprachigen „Griechenland Zeitung“. Es ist eigentlich das erste. Es ist nämlich der Nachdruck des ersten deutschsprachigen Buchs, das je in Griechenland gedruckt worden ist. „Spaziergang durch das alte Athen“ nennt es sich und enthält Gedichte des schwärmerischen Griechenlandliebhabers Adolf Ellissen aus Göttingen und dazu passende Bilder aus dem 19. Jahrhundert. Ergänzt und anschaulich gemacht mit Stadtplänen der damaligen Zeit und mit einem erläuternden Vorwort versehen, ist das Büchlein ein hübsches Geschenk für Freunde und Romantiker des alten Griechenland. Stefan Berkholz





— Adolf Ellissen:
Spaziergang durch das alte Athen. Sonette und Bilder aus dem 19. Jahrhundert. Verlag der Griechenland Zeitung, Athen 2010. 112 Seiten, 19,80 Euro

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