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Das Pech von Wittenberge



Brandenburg ist eine Fundgrube. Aber was steckt alles drin? 20 Filmemacher, darunter Andreas Dresen und Volker

Koepp, haben es im Herbst 2010 gezeigt: Dokumentarfilme für den RBB sind entstanden, nun als Doppel-DVD für 19, 99 Euro erhältlich. Als gute Ergänzung (oder Alternative) für Leser empfiehlt sich das Begleitbuch zur Sendereihe. Rolf Schneider, Schriftsteller und Dramaturg, präsentiert darin Orte und Landschaften auf eigenwillige Weise. In unaufgeregtem, schönen Stil beschreibt er etwa die Schorfheide, das Dahme-Seengebiet oder Frankfurt an der Oder. Und erwähnt en passant interessante Fakten. Gottfried Benn etwa wurde in Putlitz geboren, Carl Blechen, der Schöpfer der „Amalfi-Blätter“ in Cottbus. Man erfährt, warum es in Wittenberge so trostlos ist. Einst hatte dort Isaac Merritt Singer eine Nähmaschinenfabrik gegründet, in der DDR baute man die Maschinen weiter unter dem Namen „Veritas“. Nach der Wende wurde das Werk geschlossen, auch zwei andere Betriebe machten dicht. 8000 Menschen verloren ihre Arbeit. Was also soll noch los sein in Wittenberge? Hilft der Tourismus dem Hohen Fläming? Einer, der anonym bleibt, sagt: „Er verschandelt die Landschaft. Überall bloß noch Beton und Asphalt. Radwege, Skaterpfade, Thermalbäder, Reiterhöfe. Wanderstrecken mit unmöglichsten Namen.“ Ist was dran.

Brandenburger biedern sich nicht an. Und gerade deshalb mögen wir sie. kai

— Dagmar Reim

(Herausgeberin),

Rolf Schneider (Autor): 20 x Brandenburg. Menschen, Orte, Geschichten. Edition q im Bebra Verlag, Berlin 2010, 199 Seiten, 19,95 Euro

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