LESEN & REISEN : LESEN & REISEN

Reisebücher & Reiseführer

Noch ’n Red Fox

„Die Pubs waren willig, doch das Bier war schwach.“ Welcher von deutschem Reinheitsgebot und ordentlichem „Feldwebel“ verwöhnte Inselbesucher hat das noch nicht gesagt?

Oder zumindest gedacht, nach einem Besuch der urbritischen Institution. Warm das Bier, undefinierbar im Geschmack und nie, nie mit Schaumkrone, dem Inbegriff eines gut gezapften Frischen.

Autor Matthias Politycki hat sich nun verdient gemacht, indem er geradezu heldenhaft und zunächst vermutlich aufrechten Ganges die Fron auf sich geladen hat, den Pilgerpfad durch 30 Pubs zu beschreiten – nicht zuletzt, um eine Warnung zumindest in die deutschsprachige Welt zu schicken. Noch dazu in wohlgesetzten, witzigen Worten.

Mit seinem Londoner Gastgeber, einer bekennenden „Bierhure“, trinkt er sich – Pint für Pint – durch London Gold, Red Fox, Abbot Ale, JRA, Dog’s Bollocks und Polar Bear. Um nur einige zu nennen. Sein Urteil ist wahrlich ernüchternd. „Schlußendlich schmeckte alles eigentlich nach altem Feudel.“

Der Besuch im Pub ist für den standhaften Autor jedoch nicht nur gaumentechnisch ein unerfreuliches Aha-Erlebnis. Er erlebt auch Handfestes. Etwa Keilereien zwischen Gästen, wobei nicht klar wird, ob die Handgreiflichkeiten allein dem übermäßigen Ale-Konsum oder der Qualität der Getränke geschuldet sind.

Wichtig in diesen Tagen: Fußnoten. Bei Politycki gibt’s die allerdings nicht zu Zitaten, sondern zur Erläuterung von biertriefenden Begriffen, die wir sonst nie verstünden. Ohnehin fragt sich der kontinentale Leser: Ist die englische Seele zu begreifen, wenn man bereits dem Ale nichts abgewinnen kann? gws







— Matthias Politycki:
London für Helden – The Ale Trail. Verlag Hoffmann und Campe, gebundene Ausgabe, Februar 2011, 96 Seiten, 18 Euro

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben