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Sottisen von Siebeck



Der Titel bietet eine Binsenweisheit: „Wolfram Siebeck isst unterwegs“. Ja was sonst, ließe sich fragen, das hat er schließlich sein ganzes, schon ziemlich langes Leben lang getan. Allerdings bleibt er nun, mit 82, sicher auch gern mal zu Hause, und deshalb beschleicht den Leser des neuen Buchs das Gefühl, fast all das schon einmal gelesen zu haben. Aber auch wenn alles neu wäre, bliebe alles beim Alten. Der Stammleser kennt die Spezialitäten, stilistischen Tricks und Ressentiments des Altmeisters des kulinarischen Schreibens, es ist die ewige Pose des kulinarisch überreizten Kulturmenschen, der allen Zeiterscheinungen, sofern sie nicht gut schmecken, mit ironisch ausgefeiltem Unverständnis gegenübersteht und allemal das Ritz-Carlton dem Drei-Sterne-Hotel vorzieht, sofern gerade eins dasteht. Er durchquert, inspiriert von Angela Merkel, die Uckermark, ohne irgendetwas Essbares auftreiben zu können, bereist die Schweiz, Granada, Island und Moskau. Der Bericht vom Flug in die USA zu „Ben’s Chili Bowl“, nur weil da Obama angeblich mal gegessen hat, schließt das Buch ab, eine lahme Fingerübung, die nur dazu dient, ein paar gut abgehangene Sottisen über Flugverpflegung, Currywurst und amerikanische Einreisekontrollen loszulassen, Dinge, die ihm so fremd sind wie ein Kantinenmenü. Doch es gibt Besseres, denn Siebeck schafft es trotz aller erwartbaren Pointen meist auch in diesem Buch, das zu erreichen, was den meisten seiner Texte gelingt: Lust am Genuss zu vermitteln. Das ist gerade in Zeiten überdrehter pseudowissenschaftlicher Kulinarik ein Lichtblick.

Dennoch wird man sagen müssen: Dieser Siebeck ist nur was für Fans mit Drang zur Vollständigkeit. Bernd Matthies

Wolfram Siebeck isst unterwegs – kulinarische Abenteuer. Residenz Verlag, 134 Seiten, 2011, 19,90 Euro

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