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Andersen vor den Toren Athens

Ein Fundstück aus weit vergangenen Tagen hat die deutschsprachige „Griechenland Zeitung“ in ihrem Buchverlag ausgegraben. 170 Jahre nach seiner Niederschrift liegen die Reiseimpressionen des dänischen Märchenerzählers Hans Christian Andersen von 1841 wieder vor, der Titel: „Griechenland und der Orient. Eine märchenhafte Reise“. Andersen reiste durch Griechenland bis nach Konstantinopel, und wie beschwerlich das in jener Pferde- und Kutschenzeit noch war, bekommt der Leser auch mit.

„Den Weg hierher nannte man einen Fahrweg“, schreibt Andersen einmal ironisch, „aber er kann, selbst in Griechenland, nur für Denjenigen ein solcher sein, der verurteilt ist, den Hals zu brechen.“ Es ging vor die Tore Athens, in die kleine Stadt Kephissia, die heute ein nobler Villenvorort ist und bereits in der Antike eine beliebte Sommerfrische war. Griechenland befand sich im Aufbruch zu jener Zeit, nach dem Ende der Osmanischen Fremdherrschaft und der Gründung des neugriechischen Staates 1830. „Athen ist eine Stadt“, stellte Andersen verwundert fest, „die schon in den wenigen Tagen, die der Fremde hier verweilt, zu wachsen scheint.“ Athen wuchs binnen zehn Jahren von einem Dorf mit 300 Häusern zu einer Kleinstadt mit mehr als 20 000 Einwohnern.

Als „Vaterland des Geistes“ bezeichnete Andersen Griechenland, als „Heimat der Märchen“. Doch er äußerte Vorbehalte gegen „dieses Geschlecht“ der Griechen. Die Türken gefielen ihm „weit besser, sie sind ehrlich und gutmütig“.

Andersens Wege führten ihn über das Mittelmeer und die Kykladeninseln nach Piräus und auf die Akropolis, nach Daphne und Delphi und Korinth und schließlich bis in die Türkei. Und der Schriftsteller war sich bei der Niederschrift sicher: „Noch hat kein Buch ein wahres Bild von Griechenland und von dem, was ich vom Orient gesehen habe, gegeben.“ Deshalb machte sich der Schriftsteller an die Arbeit und schuf diese immer noch lesenswerten Reisereportagen. Stefan Berkholz





— Hans Christian Andersen:
Griechenland und der Orient. Eine märchenhafte Reise. Verlag der Griechenland Zeitung, Athen 2011. 256 Seiten, 19, 80 Euro

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