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Fontane darf ruhen.

Die Zeit, in der Berliner in Brandenburg auf Entdeckungsreise gehen können, die muss doch lange vorbei sein. So meint man jedenfalls im Jahr 23 nach dem Mauerfall. Und die Älteren erinnern sich an Fahrten in den frühen 90ern, als es keine oder nur wenige Reiseführer gab, die das Berliner Umland erschlossen, und noch weniger Karten. Da blieb einem oft nichts anderes übrig, als auf Theodor Fontanes „Wanderungen“ zu vertrauen, um verblüfft festzustellen, dass der mancherorts immer noch zum Reiseführer taugte – in einem Land, in dem es zuweilen so schien, als ob die Zeit angehalten worden wäre.

Wanderführer gibt es inzwischen reichlich, erschlossene Wege auch, Fontane hat sich endgültig aufs Altenteil zurückgezogen, die Zeit, die tickt längst auch auf dem Dorf wieder schneller. Wo soll da der Platz sein für Entdeckungen?

Martin Mosch hat sich auf die Suche gemacht, sich nach „Brandenburg, landeinwärts“ – so der Titel seines Buches – begeben. Und, ist fündig geworden. Auf 15 Touren ist er kreuz und quer durch Brandenburg gewandert, wobei es vier eindeutige Schwerpunkte gibt, im Fläming, der Märkischen Schweiz mit dem angrenzenden Oderbruch, der Uckermark und der Prignitz. Mosch kommt ganz ohne Fontane aus, in Buckow verschweigt er sogar Bertolt Brecht, dessen Elegien den Ort für Literaturfreunde überhaupt erst auf die Karte gebracht haben. Die muss er nicht wieder entdecken. Man sagt es ungern, weil die Floskel so abgehangen klingt, aber doch, hier ist der Weg das Ziel.

Wenn Mosch sich in der Märkischen Schweiz seinen Weg schon mal über einen umgestürzten Baum bahnt, wenn ein neugieriger Jäger seinetwegen den Jeep stoppt und der Leser meint, auf selten begangenen Pfaden den Grasteppich zu spüren, „der begonnen hat, den Wanderweg zu überwuchern“, dann ist er am besten. Im Ton lakonisch, dabei nicht ohne Witz, bahnt er dem Wanderer einen Weg, der mal markiert sein kann, mal nicht, dann ist er aber gut beschrieben, durch Karte und Bild illustriert. Die meisten Touren sind als Rundweg angelegt, die Länge schwankt von 9 bis ambitionierten 26 Kilometern, so gut wie immer lassen sich Start und Ziel mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen.

Wer den Autor persönlich zu seinen Touren befragen will, hat dazu übrigens am 13. Juni, 17 Uhr 30 in der Urania Gelegenheit. Andreas Austilat











— Martin Mosch:
Brandenburg landeinwärts. Bebra Verlag. Berlin 2012, 160 Seiten, 14 Euro

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