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Mit lockerem Pinselstrich

William Turner tat es in Venedig, August Macke in Tunis, Emil Nolde in der Südsee: Sie waren unterwegs – und malten. Auch der Berliner Künstler Hans-Jürgen Gaudeck reist nie ohne seine Malutensilien: „Wenige Grundfarben, Pinsel und Aquarellpapier in unterschiedlicher Größe.“ Überall, so seine Erkenntnis, „finden sich Arbeitsplätze, um ein Bild zu Papier zu bringen“.

Was dabei herauskommen kann, hat Gaudeck jetzt in einem Buch zusammengestellt: Da sind zum Beispiel eine vietnamesische Flusslandschaft bei Hoi An, Impressionen der dänischen Ostseeinsel Mön, eine Platane in der Provence, Herbstspiegelungen am Sakrower See. Das Besondere: Zu jedem Aquarell beschreibt Gaudeck detailliert, wie es entstanden ist. Die Frauengruppe auf Bali, in der Sonne wartend unter einem kleinen Schirm, hielt er schnell auf kleinem Block fest. „Um das Licht und die Transparenz der Farben zu übernehmen, strich ich Wasser, das ich immer in einer Fotodose zur Verfügung habe, aufs Papier. Mit „lockeren Pinselstrichen“ tuschte er die Gewänder hin, in Olivgrün, Kadmiumrot, Preußischblau oder Indischgelb.

Das Buch macht Mut, selbst einmal „den kleinen Moment“ mit Pinsel und Farben zu bannen. Ob die Zypressenlandschaft der Toskana oder die Flamencotänzerin in Andalusien am Ende jeden Betrachter überzeugt, ist zweitrangig. Gaudeck sagt zu seiner Kunst: „Es entstehen Bilder, die zwar ortsbezogen durchaus das Reale andeuten, doch von meiner inneren Welt stark beeinflusst sind.“ Wem also das Aquarell „Bazarstraße in Athen“ – über der „das Licht der Farben weht“ – nicht gefällt, stellt sich an Ort und Stelle und malt selbst. Hella Kaiser

Hans-Jürgen Gaudeck: Auf Reisen. Wege zum Aquarellieren. ars momentum Kunstverlag, Witten, 79 Seiten, 26 Euro

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