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Reisebücher & Reiseführer.

Birgit Weidt

Die Welt ist groß genug

Wer irgendwohin hinfährt, bewegt sich von irgendetwas weg. Oft ist ein Aufbruch eine Flucht. Einer wie Buchautor und Reporter Andreas Altmann – ein bekennender Flüchtling – nimmt uns dabei mit. Er erzählt, wie das Abendlicht über den Berg Sinai die Sinne betört, wie aufregend eine Liebelei in der Wüste sein kann und welch diebische Freude sich einstellt, wenn es gelingt, Grenzbeamte ins Bockshorn zu jagen.

Aber auch um Qualen geht es – allein Angst, Hitze und Fieber durchzustehen. Und mit dem Schrecken davonzukommen, wenn kolumbianische Gangster einem nach dem Leben trachten. Oder auch: zum Frühstück einen gepökelten Schafskopf vertilgen zu müssen.

Altmann erzählt Geschichten, die berühren. So, wie jene über den siebenjährigen Marouf in Kabul, der mit seinen neun Geschwistern in der Werkstatt seines Vaters Munitionskisten zerlegt. Als die Familie den Reporter nach Hause einlädt, in jene Gegend, wo nicht einmal Taxifahrer hinfahren, steht der Kleine mit einer Kerze auf dem kaputten Balkon der Wohnungsruine, um dem Fremden den Weg zu weisen.

So sehr es Altmann immer wieder in die Welt hinauszieht, so schön ist es für ihn auch, in seine Pariser Wohnung zurückzukehren und aufzuatmen. Es gibt eben eine Zeit zum Fischen, und eine zum Netzetrocknen. Birgit Weidt

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