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Menschen und Metropolen

Städtereiseführer, etwa zu Rom, gibt es in Hülle und Fülle. Ist da noch Platz für einen weiteren? Ja, wenn ein völlig anderes Konzept dahintersteckt. Mit dem Band „Rom – eine Stadt in Biographien“ zeigt die Marke Merian, wie gut das funktioniert. Autorin Susanne Wess spürt der Lebensgeschichte von 20 Persönlichkeiten nach, die Rom prägten oder eine besondere Beziehung zu der Stadt hatten. Durch die Lektüre wird der Reisende das Forum Romanum als Bühne von Cicero und Caesar begreifen. Er wird in den Appartamenti Borgia über Lucrezia Borgia nachdenken, die Tochter von Papst Alexander VI. Nach dem Hochzeitsmahl zu Beginn ihrer vierten Ehe tanzten 50 Kurtisanen splitternackt mit anwesenden Gästen. Was mag sich Lucrezia, die später Gelehrte, Künstler und Literaten am Hof versammelte, angesichts der Orgie gedacht haben? „Ich gehöre Gott, für immer“, soll sie kurz vor ihrem Tod gesagt haben. Ein Satz, unvorstellbar bei Caravaggio, dem Hallodri, Finsterling – und Genie. Sechs seiner Werke hängen in der Galleria Borghese, weitere im Palazzo Barberini und im Vatikanmuseum. Auch Goethe wurde im Herzen zum Römer. „Man müsste mit tausend Griffeln schreiben, was soll hier eine Feder! Und dann ist man abends zu müde und erschöpft vom Schauen und Staunen ...“ schrieb der Dichter 1786 an Charlotte von Stein. Auf den Spuren von Roberto Rosselini geht es zu den Drehorten „Rom, offene Stadt“ , aber auch zum Grab des Regisseurs auf dem Cimitero del Verano.

Der Band, mit schönen Fotos ansprechend gestaltet, ist in weinrotem Leinen gebunden, mit farblich passendem Lesebändchen dazu. Insgesamt zwölf Bände liegen in der neuen Reihe bereits vor, darunter Barcelona, Paris, London, New York und Wien. Auf zwanzig Bände wird sie im kommenden Jahr anwachsen. kai









— Susanne Wess:
Rom – eine Stadt in Biographien, Merian, Travel House Media, München, 2012, 176 Seiten, 16, 99 Euro

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