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Hofdichter der Nordsee

Mit 29 Jahren lernt er schwimmen, ausgerechnet in der Nordsee. „Das Meer war so wild, dass ich oft zu versaufen glaubte“, schreibt Heinrich Heine. Doch im Grunde, da ist er sich sicher, könne es ihm, dem „Hofdichter der Nordsee“ nichts Schlimmes antun. Heine liebt die See, seit seinem ersten Aufenthalt auf Norderney im Jahre 1823. Mehrfach weilt er auf der Nordseeinsel, fährt nach Ostfriesland, später auch nach Wange- rooge und Helgoland. Was er über diese Zeit in Lyrik und Prosa geschrieben hat, liegt jetzt klug ausgewählt vor in einem sehr ansprechend gebundenen Büchlein. Heine genießt am Strand den Anblick der vorbeifahrenden Schiffe, registriert das einfache Leben der Fischer und hört staunend Geschichten über den „Klabotermann“. Einmal geht er sogar auf Jagd am Strand. Er schießt allerdings nur deshalb auf Möwen, „um sie zu warnen, sich ein andermal vor Leuten mit Flinten in Acht zu nehmen.“ Mit Absicht zielt er daneben – und trifft dummerweise doch. Auf den Inseln findet Heine, was auch heutige Besucher dort schätzen: Ruhe. Der Kopf wird frei für neue Gedanken. Der Dichter sinniert über Goethe und Kant, über Kirche und Könige, über langweilige Engländer oder das Freiheitstalent der Ostfriesen. Er schwärmt von dem Volk, „das flach und nüchtern ist, wie der Boden, den es bewohnt“.

Am Ende einer Badekur ist Heine wieder voller Tatendrang. „Ich weiß jetzt wieder was ich will, was ich soll, was ich muss ...“ Die Nordsee hat ganze Arbeit geleistet. Und tut es, das kann wohl jeder Feriengast bestätigen, immer noch. Hella Kaiser







Heinrich Heine:

O wie lieb ich das Meer. Ein Buch von der Nordsee,

Verlag Hoffmann und Campe, 2013,

127 Seiten, 12 Euro

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