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Anna Gerstlacher

Ursprünge der Seidenstraße

Unterschiedliche Bilder tun sich beim Wort „Seidenstraße“ vor dem geistigen Auge auf: In dicke Kleidung eingehüllte Kaufleute auf dem Weg durch endlose Steppen und Wüsten, schwer bepackte Kamelkarawanen, beladen mit exotischen Stoffen und Gewürzen, Oasen am Rande der Wüste, weithin leuchtende Schneegebirge, aber auch buddhistische Klöster und Höhlenanlagen; und natürlich fehlen auch Marco Polo und die dahinfliegenden Horden von Dschingis Khan nicht.

Lebendig fängt Francis Wood, Leiterin der Chinaabteilung der British Library in London, die 5000-jährige Entwicklung der Region ein. Und sie zeigt, wie sich in den vergangenen 30 Jahren aufgrund der politischen Entwicklungen, vor allem durch den Zusammenbruch des ehemaligen Sowjetreiches, ein neuer Handelszweig etabliert: Touristen machen sowohl im zentralasiatischen als auch im chinesischen Teil der Seidenstraße einen Großteil der Reisenden aus.

Die konzentriert themenbezogenen Textbeiträge, unterlegt mit passenden Fotos, geben einen tiefen Einblick in die vergangene und auch aktuelle Situation der mehr als 10 000 Kilometer langen Strecke von Europa bis nach China.

Angeregt durch die Lektüre, möchte man sich gleich auf die weite Reise machen, wohl wissend, dass die Strapazen eines solchen Unternehmens keine vergleichbar abgerundeten und komplexen Eindrücke wie der vorliegende Band zulassen.Anna Gerstlacher

Mit Witz durch die Welt Japan, Ghana, Macau, Chile und so fort: Martin Amanshauser, österreichischer Kultur- und Reisejournalist, ist weit herumgekommen in der Welt.

Im vorliegenden Buch aber geht es nicht um seine Reportagen oder gar um detaillierte Beschreibungen von Sehenswürdigkeiten. Amanshauser hat einfach mal aufgeschrieben, was ihm hier und dort so widerfahren ist. 52 Episoden, die sich an 52 Orten zugetragen haben, sind zu lesen. Wichtig: Endlich hat man mal wieder was zu lachen.

Mit skurrilem Humor beschreibt er seine Begegnungen mit Touristen und Einheimischen. Im Bus mit bayerischen Rentnern lernt er die Aufbruchsformel BMW („Back mas wieder“), lernt in Vietnam, dass man die berühmte Suppe „Pho“ nur bekommt, wenn man den Namen richtig aussprechen kann, und erfährt im syrischen Dampfbad, wie es ist, wenn einem sämtliche Nervenenden weggeknetet wurden. Im Iran lernt er Finnisch, klatscht nach der Sonnenfinsternis in Ghana Beifall (wie alle umstehenden Afrikaner) und staunt, wie freundlich die Wiener sind, wenn ein Ausländer es wagt, auf dem Zentralfriedhof zu radeln.

Die Geschichten mit lakonischem Unterton, aberwitzigen Schlenkern und überraschenden Pointen sind wie geschaffen, um etwa einen langweiligen Flug zu überstehen. Das schräge Buch nebst allerlei grotesken Fotos macht allerdings durchaus auch auf dem heimischen Sofa Spaß. Hella Kaiser



— Martin Amanshauser:
Logbuch Welt. 52 Reiseziele für Profi-Traveller und chronische Daheimgebliebene. Christian- Brandstätter-Verlag Wien, 2007, 194 Seiten, 15,50 Euro.











— Frances Wood:
Entlang der Seidenstraße. Theiss-Verlag, Stuttgart 2007, 192 Seiten, 32 Euro.

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