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Im Vorort von Berlin

Birgit Jochens: Die Kaiserbäder auf Usedom: ein Vorort Berlins. Eine Publikation des Heimatmuseums Charlottenburg-Wilmersdorf, Telefon: 030/ 90 291 32 01, 84 Seiten, 9, 80 Euro

Vor einhundert Jahren flanierten die Damen in langen, bodenschleifenden Kleidern, und die Herren zückten vornehm den Hut. Man ließ sich sehen an der Ostsee und zeigte, was man hatte, in diesem „Vorort Berlins“. So lautet der Untertitel einer Broschüre über „Die Kaiserbäder auf Usedom“.

„Dieses Ostseebad Heringsdorf wird Berlin immer ähnlicher“, mokierte sich der Berliner Feuilletonist Victor Aubertin 1911 im „Berliner Tageblatt“. Birgit Jochens hat eine kleine Auswahl jener prominenten, begüterten Berliner zusammengestellt, die ihren Sommersitz nach Usedom verlegten und dabei Bequemlichkeit, Komfort und womöglich sogar noch eine gewisse Ähnlichkeit mit ihren Behausungen in Berlin wünschten.

Eine illustre Gesellschaft fand da zusammen, und so bezeichnete man das 1819 gegründete Fischerdorf bald als „Nizza der Ostsee“. Allerlei Anekdotisches ist in dieser bunten, informativen Broschüre zusammengetragen. Das Herumblättern macht Spaß.

Beim näheren Hinsehen stören ein paar Mängel: Selten erfährt der Leser, was aus früheren Sehenswürdigkeiten geworden ist, wie zum Beispiel jener Rennbahn in Heringsdorf, die auf einer historischen Postkarte abgebildet ist. Die Lebensgeschichten der, wie Birgit Jochens zugibt, „eher willkürlich“ ausgewählten Sommergäste fallen knapp aus. Und gerade über das Leben und Wohnen auf Usedom erfährt man eher wenig. steb

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