Reise : LESEN & REISEN

Reisebücher zum Hören

Barbara Schaefer

Rauschen der Metropole Fernweh nach New York lösen schon die ersten Takes des Reise-Hörbuchs aus. Das Hintergrundrauschen der Stadt begleitet die „akustische Reise zwischen East Village und Central Park“. Man hört den so typischen Akzent der New Yorker, es gibt zahlreiche Tipps, die manchmal nicht ganz neu sind, aber denen man dennoch getrost folgen kann. Da ist etwa die Fahrt mit der Staten Island Ferry, wegen des „atemberaubenden Anblicks von Manhattan“. Die Kapitel sind mit Jazzklängen unterlegt. Sie führen von Lower Manhattan nach Chinatown, weiter in Szeneviertel, durch die Galerien von SoHo, mit Abstechern in die Bronx und in den Central Park. Eingefügt ist eine Geschichte von Tanja Dückers über eine amüsante Trödelmarkt-Odyssee, vorgelesen von der Autorin selbst.

Das Hörbuch gibt es auch auf Englisch, in weit langsamerem Tonfall gesprochen als ein New Yorker fürs Reden Zeit hat. „You can’t get lost in Manhattan“, sagt einer, gemünzt auf das übersichtliche Schachbrett der Straßen. Gleichwohl, man kann sich durchaus verlieren in dieser Stadt.

Hort des Großbürgertums Henry James: Washington Square. Gelesen von Gert Westphal. Sieben CDs, 29,99 Euro

Zur Zeit des Romans „Washington Square“ war der Platz noch weit davon entfernt, das Zentrum des Szeneviertels Greenwich Village von Manhattan zu werden, sondern der Platz war noch

ein Hort des großbürgerlichen Milieus. Henry James, 1843 in New York geboren, erzählt ruhig und mit sehr viel Liebe zum Detail eine Geschichte aus dieser Welt.

Der Plot: Wenig attraktive Tochter verliebt sich in einen flotten jungen Mann, der Vater hält ihn für einen Mitgiftjäger und macht allen das Leben schwer. Den amerikanischen Meilenstein der Literatur liest Gert Westphal, er dröselt mit feiner Ironie in der Stimme die Geschichte auf, sodass man den ellenlangen Sätzen gerne in alle Verästelungen folgt.

Vorstadt-Idylle Richard Yates: Zeiten des Aufruhrs. Gelesen von Christian Brückner. Fünf CDs, 29,20 Euro

Richard Yates zählt zu den wichtigsten amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts, 1961 erschien sein Roman „Zeiten des Aufruhrs“. Er erzählt von Frank und April Wheeler, einem jungen Paar in den USA der 1950er Jahre. Sie leben dort, wo New York nicht glamourös ist, und auch nicht wild: in den Suburbs. Kleines Häuschen, Kinder, die Vorstadtidylle.

Doch das Leben entgleitet ihnen. „Zeiten des Aufruhrs“ – mit Kate Winslet und Leonardo DiCaprio auch verfilmt – wird in der Hörbuchversion von Christian Brückner gelesen, der amerikanischsten aller deutschen Synchronstimmen. Das Hördouble von Robert de Niro und anderen, liest mit bekannt rauem Timbre vom grandiosen Scheitern eines Lebensentwurfs. Barbara Schaefer

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