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Hella Kaiser D

Hinter der Märchenkulisse

Wer schon einmal im Jemen war, wird Susanne Sporrer und Klaus Heymach spontan beneiden. Denn die beiden deutschen Journalisten ließen die Heimat hinter sich, um mehr als ein Jahr in Sanaa zu leben. Eins dieser märchenhaften, weiß verzierten Turmhäuser mieten sie, lernen Arabisch und lassen sich ein auf den jemenitischen Alltag. Sie probieren gefüllte Teigtaschen, Fasulia, den typischen Bohneneintopf, und auch Qat, jene grünen Blätter, die in Bergjemen praktisch alle kauen. Die Droge Qat macht erst hellwach, später gelassen und schließlich schläfrig. Sehr unterschiedliche Menschen treffen die beiden: Europäer, die hier eine Koranschule besuchen, eine jemenitische Lehrerin, die für Frauenrechte im Land kämpft, zwangsverheiratete Mädchen, Kaffeebauern und Stammesdichter.

Stoff in Hülle und Fülle ist da, um ein fesselndes Buch zu schreiben. Doch alles liest sich, trotz der eingeflochtenen Dialoge, seltsam blutleer. Verwirrend ist zudem, dass die beiden aus wechselnder Perspektive berichten. Wenn das „wir“ von einem „ich“ ersetzt wird, muss der Leser oft eine Weile rätseln, ob sich dahinter Susanne Sporrer oder Klaus Heymach verbirgt.

Dass im Jemen viele Männer bewaffnet sind, mit Krummdolch oder Kalaschnikow, fällt jedem Reisenden sofort auf. Warum sie das sind, erklärt, fast am Ende des Buches, ausgerechnet ein amerikanischer Professor für Anthropologie. „In unserer Gesellschaft ist die Waffe eine Waffe“, sagt er. Im Jemen dagegen sei sie ein Symbol in einem größeren Kontext und im Grunde dazu da, Gewalt zu verhindern. Über das immer mal wieder praktizierte Kidnapping – in die Zeit des Aufenthalts der beiden Journalisten fällt die Entführung der Familie Chrobog – erfährt der Leser im Buch nicht mehr, als er schon aus den Medien weiß.

Dennoch, das Buch liefert einige interessante Aspekte aus einem faszinierenden arabischen Land – und kann eine gute Ergänzung zum herkömmlichen Reiseführer sein. Wer sich der Fremde schon zu Hause staunend nähern will, kommt allerdings um den Klassiker nicht herum: das Buch der englischen Reiseschriftstellerin Freya Stark aus den 30er Jahren. Leider ist das Buch „die Südtore Arabiens“ zur Zeit nur antiquarisch erhältlich. Hella Kaiser

Streifzüge durch Helsinki Heiner Labonde/ Jessika Kuehn-Velten: Helsinki und Hauptstadtregion, Edition Elch, 4. komplett aktualisierte Auflage 2008, 312 Seiten, 17,90 Euro

Die finnische Hauptstadt Helsinki ist nicht nur interessant wegen ihrer Festungsanlagen und Kunstmuseen, wegen Konzerten und Jazz, den Clubs und Cafés. Die Metropole kann auch Ausgangspunkt sein für jede Menge sportlicher Aktivitäten. Denn der Stadt vorgelagert sind hunderte ins Wasser weit hinausreichende Inseln und Schären. Zudem gibt es Strände und Parks. Das alles macht Paddeltouren, Wanderungen oder Radausflüge reizvoll. Der vollständig aktualisierte Helsinki-Führer aus dem Elch-Verlag präsentiert die Stadt kenntnisreich und im Detail. Das reicht von Infos rund um Anreise, Transport, Unterkunft oder „kulinarische Entdeckungen“ über Shopping bis zum kleinen Finnisch-Lexikon. Kleine Specials befassen sich zum Beispiel mit Straßennamen, den schönsten Aussichtspunkten oder Szene-Tipps. Die Autoren waren in allen Stadtvierteln und vor allem: auch in der umliegenden Region unterwegs, schildern zudem Ausflüge, wie etwa an die Ost-Uusimaas-Küste. Die Bebilderung dieses Führers ist zwar sparsam und überwiegend nur in Schwarz-Weiß. Doch beim Blättern bestätigt sich, dass hier Finnlandkenner viel Energie und Wissen investiert haben. WOG.

— Susanne Sporrer, Klaus Heymach: Post Box Sanaa. Ein Jahr im Jemen. Verlag Frederking & Thaler, München 2008, 247 Seiten, 19,90 Euro

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