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Goodbye, Peking. 1982. Ma Jian arbeitet in Peking als Fotograf bei der Auslandspropaganda, seine Freunde sind Maler und Dichter. Jeans zu tragen ist damals bereits verdächtig. „Geistige Verschmutzung“ gilt als Verbrechen, es fördere Passivität, verderbe den Geist. Ma Jian kauft sich eine Zugfahrkarte und bricht zu einer Reise durch China auf, die drei Jahre dauern wird. Tibet ist sein Ziel. Kurz hinter Peking steht er an einer Schotterwüste, die sich endlos nach Westen ausdehnt. Ma Jian reist als Fremder im eigenen Land. Er schlägt sich durch mit gefälschten Empfehlungsschreiben, schneidet Haare oder verkauft Seidentücher, um Geld zu verdienen. Er schickt Briefe nach Hause, mit Wüstensand, gepressten Blumen aus der kasachischen Steppe. Ma Jian ist eine romantische Seele. Er schreibt: Auf einer „harten, schwarzen Straße, die am Horizont an den Himmel genäht ist, wander ich westwärts“. Da lässt sich herauslesen, was seine Reisebibel ist: Er hat Walt Whitmans „Grashalme“ eingepackt. Alle Werke von Ma Jian, der heute in London lebt, stehen in China auf dem Index, seit 1987 ein Buch von ihm über Tibet erschienen war. Auch „Red Dust“ erzählt drastisch vom Leben inmitten der Bergriesen. Seine Abenteuer werden immer wilder. Er ertrinkt beinahe im Grenzfluss vor Birma, wird als Spion verhaftet. Ob sich das alles wirklich so zugetragen hat, fragt sich der Leser. Ma Jian hat das Buch erst gut 25 Jahre nach seiner Tour geschrieben, es erschien 2001 in London. Nach drei Jahren des Reisens stellt er fest: „Ich muss in großen Städten leben, in denen es Krankenhäuser, Buchhandlungen und Frauen gibt.“ bär

— Ma Jian: Red Dust, drei Jahre unterwegs durch China. SchirmerGraf Verlag, München 2009, 422 Seiten, gebunden, 25,80 Euro

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