Reise : LESEN & REISEN

Reisebücher & Reiseführer

S. BerkholzD

Athener Lebensarten

Ellen Katja Jaeckel: Der Sandalenpoet tanzt niemals in der Metro, Picus-Verlag, Wien 2009, 130 Seiten, 14,90 Euro

Athen, so hört man immer wieder, sei ein einziger Moloch. „Der Athener schimpft in Athen täglich auf Athen“, heißt es in einem Büchlein von Ellen Katja Jaeckel, der Leiterin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in der griechischen Metropole. „Er hat auch allen Grund dazu: Die Straßen sind nicht begehbar, die Luft ist verdreckt, es ist eng, das Leben ist teuer …“

Viel ist von der Hassliebe der Athener zu ihrer Betonwüste die Rede – und ähnlich gespalten ist der griechische Hauptstädter, denkt er an seine Herkunft. Lebt der Grieche in Athen, hat er es, für griechische Verhältnisse, geschafft. Noch immer strebt alles in die Hauptstadt. Doch der gewöhnliche Athener stammt oft vom Lande. Dort finden sich noch das alte Griechenland, die Verwandtschaft, das beschauliche Leben, die Genügsamkeit. Das sei doch rückschrittlich, heißt es dann verächtlich.

Ellen Katja Jaeckel hat dreizehn leichte, journalistisch geprägte Kapitel verfasst. Jaeckel betrachtet Athener Lebensarten im Kaffeehaus – durchschnittliche Verweildauer anderthalb Stunden; sie streift die Neureichenmentalität vieler Griechen und berichtet kopfschüttelnd von der vielen Schwarzarbeit und dem aufgeblähten Staatsapparat.

Die Autorin liefert kurzweilige Lektüre – und diverse Tipps. Auf neue Vergnügungsviertel wird hingewiesen oder auf den fertiggestellten Spazierweg zwischen den antiken Stätten.S. Berkholz

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben