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Anna Gerstlacher

Am Roten Wasser Janoschs kleiner Tiger stellt lakonisch fest: „Oh wie schön ist der Mekong!“ Diesem Schwärmen ging der Berliner Autor Volker Häring nach. Mit seinem Fahrrad fuhr er am 4500 Kilometer langen Fluss von der Quelle bis zur Mündung entlang – und erfüllte sich damit nicht nur einen Kindheitstraum. Ein Ergebnis des beachtlichen Unternehmens ist ein wohlstrukturierter, gut zu lesender Erzählband.

Vom Einsteigen in den Bus in China – das Fahrrad aufs Dach geladen – bis zum Ziel an der Grenze zu Vietnam bleibt die Lektüre flüssig, informativ und unterhaltsam. Die Schwierigkeiten und Unbequemlichkeiten sind zwar zwischen den Zeilen nachzuvollziehen, aber die Wellen des Flusses und des Schreibens tragen den Leser mühelos weiter, von einem Ereignis zum anderen. Atemberaubend die Fahrten an der chinesisch-laotischen Grenze: „Steinschlag, Unfallschwerpunkt, Achtung, zwölf Kilometer ununterbrochene Abfahrt.“ Sicher eine große Herausforderung, lesend jedoch ein kurzweiliges Vergnügen, zumal eingestreute Geschichten und Anekdoten die herausfordernde Romantik des Himalajas untermalen: „Etwa 1500 Höhenmeter unter uns liegt der Mekong, eine braune Brühe, durch den Regenschleier kaum zu erkennen ...“ So ganz nebenbei wird auch das Geheimnis des Titels des Buches gelüftet. „Wan da“ bedeutet „zehntausend Mal ankommen“ und ist programmatisch der Name des erfolgreichsten Busunternehmens in der südchinesischen Provinz Yunnan. Sind die Beschreibungen des südlichen China umfangreich und aufschlussreich, fallen die Betrachtungen des Sinologen doch etwas ab, je weiter er in die südlichen Anrainerstaaten des Flusses kommt. Nord- und Südlaos bleiben streckenweise durchaus aussagestark, Kambodscha wird an mehreren Stellen nur gestreift. Burma wird unterschlagen, und Vietnam fällt ganz aus: „Vietnam, ein anderes Land, eine andere Kultur. Und immer noch der Mekong.“

Diese Dramaturgie tut dem Reiseerlebnis indes keinen Abbruch, das tun eher die aus der Region nicht wegzudenkenden Prostituierten und der selbst in der entlegendsten Ansiedlung noch reichlich fließende Alkohol. Dass Volker Häring die Strapazen der Reise auf sich genommen hat, liegt wohl nicht nur am „Roten Wasser“ – wie Mekong auf Deutsch heißt –, sondern ist vor allem seiner Passion geschuldet, der er auch als Fahrrad-Reiseveranstalter (China by Bike) längst erfolgreich nachkommt. Anna Gerstlacher

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