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Lausitzer Arkadien Es mag noch ein Weilchen dauern, bis der Winter weicht. Ach, könnte man doch jetzt schon wieder bei Vogelgezwitscher unter grünen Bäumen spazieren. Zumindest im Geiste ist das sogar bei Minusgraden möglich – mit einer Hör-CD. Aus der wunderbaren, von Horst Schumacher herausgebenen Reihe „Brandenburg – das ganze Land ein Garten“ (elf Werke liegen inzwischen vor), träumen wir uns so in den Schlosspark von Branitz. Und hören zu, was Lucie von Pückler-Muskau und Federico Fellini darüber zu erzählen haben. Der Regisseur ist just auf der Schmiedewiese gelandet, auf der Suche nach einer guten Location für seinen Film „Casanova“. Und die Gattin des legendären Gartenfürsten führt Fellini charmant durch das Lausitzer Arkadien. Durch die weinberankten Laubengänge des Pergolagartens flanieren sie, und Fellini staunt: „Nach jeder Biegung eines Weges zeigt sich eine andere Landschaft.“ Er bewundert eine mächtige Blutbuche und erfährt, woher die Pokallinde ihren Namen hat. Einträchtig stehen die beiden am point de vue und betrachten die Mondberge. Fellini ist begeistert, obwohl er Natur („zu unberechenbar“) eigentlich nie ertragen konnte. Wie es dem Fürsten gelang, sie zu gestalten, ist natürlich Thema der Unterhaltung. Ihr Mann, so erzählt Lucie Pückler, habe große Bäume mit Pflanzkarren herbeischaffen lassen. Die Anweisungen an die Arbeiter habe er per Megafon gegeben. In aller Bescheidenheit verrät sie auch, dass viele Ideen zur Gartengestaltung von ihr gekommen sind. „Das alles wird ein Film werden! Ein großartiger Film!“, ruft Fellini zum Abschied. Schade eigentlich, dass er nie gedreht wurde.

Die vergnügliche Plauderei aus einem erdachten Schattenreich ist, mit vielen Fakten im Anhang, übrigens auch nachzulesen. Hella Kaiser

— Horst Schumacher (Hrsg.), Niels-Peter Rudolph: Lucie Pückler im Spaziergang mit Federico Fellini durch den Schlosspark Branitz. Buch mit Audio-CD, Keyser Verlag Berlin, 2009, 9,98 Euro

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