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Reisebücher & Reiseführer

Abgründe Ein Mallorca-Krimi! Hallooo, das hört sich doch an wie das Buch zur Insel. Ein Muss für jeden, der irgendeine Verbindung zu Malle hat. So gesehen hat Autor Andreas Schnabel den richtigen Riecher gehabt. Und was macht er draus?

Er nutzt zunächst geschickt die latent schlummernde Urlaubsstimmung seines deutschen Publikums. Völlig okay. Dann beginnt er, alles in seinen Schreibmixer zu gießen, was ihm auf seiner (vermutlich sehr heißen) Terrasse in Cala Millor oder sonstwo als Zutat für so einen richtigen Knaller nützlich erscheint: eine reichliche Portion schicker Fincas in toller Lage, dazu eine kräftige Prise Russenmafia, als pikante Note eine attraktive Witwe, der man erst ans Villen-Erbe, später ans Leben will, abgeschmeckt mit einem weißen Ritter in Gestalt eines trübsinnigen deutschen Exil-Polizisten, und alles garniert mit einer mehr oder weniger trottelig-korrupten Inseljustiz. Ach ja, als „Running gag“ hat er noch ein höchst allerliebstes Schweinchen dazugegeben.

Soweit alles eher weniger originell. Doch der Cocktail hätte noch irgendwie schmackhaft werden können – wenn der Schreibmixer nicht einen mittelschweren Defekt gehabt hätte. Was an Formulierungen letztlich auf die Seiten strömt, strapaziert die Geschmacksnerven des Lesers doch arg. Zudem der Autor seine Figuren viel sprechen lässt. Die sollen vor allem witzig-geistreich-ironisch oder gar Clint-Eastwood-ähnlich cool daherkommen. Doch nur wer das sprachliche Niveau diverser Vorabendserien goutiert, wird Geschmack an dieser als leicht-lockerer Urlaubsleseflip servierten Mixtur finden. Übrigens: Der Autor schreibt in einer „Danksagung“ auf der letzten Seite, auch seine Lektorin habe ihn ermuntert, weiterzuschreiben. Ob er da etwas falsch verstanden hat? Vermutlich leider nicht. Schließlich hat die professionelle „Leserin“ auch nicht dazu beigetragen, eine ganze Reihe völlig uncooler Rechtschreibfehler zu verhindern. gws

Persönlich Johannes Kunz: Vietnam mit Abstecher nach Laos und Kambodscha. Interconnections, Freiburg 2009, 120 Seiten, 12,90 Euro

Endlich mal kein Wälzer, bei dem sich der Reisende überlegen muss, ob er die Lektüre für unterwegs in den Koffer packt oder nicht. Autor Johannes Kunz hat sich kurz gefasst. Ein Kunststück für jemanden, der als Touristikfachmann ein halbes Jahr in Vietnam gelebt und gearbeitet hat. Er beschreibt Land und Leute aus ganz persönlicher Sicht, stets mit einem Augenzwinkern. Herausgekommen ist kein Reiseführer im klassischen Sinn, sondern ein lebendiges und facettenreiches Bild vom Arbeitsalltag und von Begegnungen in der Freizeit. Touristische Höhepunkte kommen dabei keineswegs zu kurz, denn auch der Fachmann war schließlich unterwegs, um möglichst viel zu sehen. Wie viele Vietnam-Reisende auch, unternahm er Abstecher nach Laos und Kambodscha, die er ebenso eindringlich persönlich beschreibt. Der reisepraktische Teil jedoch ist vielleicht etwas zu kurz ausgefallen. Tsp

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